Montag, 19. Februar 2018

Kultobjekt Vespa schwirrt seit 60 Jahren

2. Teil: "Sieht aus wie eine Wespe"

Auch an anderer Stelle ging der Konstrukteur eigene Wege, etwa bei der Befestigung des Vorderrades. Dieses sollte bei einem Wechsel nicht so viel Mühe machen, wie man es von Motorrädern gewohnt war. Also steckte das Vespa-Rad nicht in einer Gabel, sondern hatte eine einseitige Aufhängung, was Montage und Demontage erleichterte. Quasi als Dreingabe gab es eine ungewohnte Rahmenkonstruktion aus Blech. Diese Karosserie war außerdem so ausgeformt, dass sie den Fahrer vor aufgewirbeltem Straßenschmutz, Wind und Wetter schützte - jedenfalls im unteren Köperbereich.

Einen Namen erhielt das Gefährt während der Entwicklungszeit noch nicht - was sich änderte, als Enrico Piaggio die Neuschöpfung erstmals zu Gesicht bekam. Mag sein, dass er zunächst auf die massige hintere Hälfte des Zweirads schaute, dann die Schmutz abweisende Blechwand an der Front betrachtete und schließlich den schmalen mittleren Bereich in Augenschein nahm. Am Ende jedenfalls soll er den Satz gesagt haben: "Sembra una Vespa" - sieht aus wie eine Wespe.

Dabei blieb es dann, und im Jahr 1946 wurden die ersten Exemplare des ungewohnten Zweirads fertig. Für Leistungshungrige war diese Ur-Vespa sicher nicht die richtige Wahl - immerhin hatte man aber aus den 98 Kubikzentimetern eine Leistung von 3,2 PS geholt, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h reichte.

So ungewöhnlich die Vespa auch war - bei der Kundschaft kam sie gut an. Noch im ersten Jahr wurden rund 2500 Exemplare verkauft, danach produzierte man jährlich fünfstellige Zahlen. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. 1948 erschien bereits die zweite, stärkere Vespa-Variante, die mit 4,5 PS aus 125 Kubikzentimetern auf nunmehr 70 km/h beschleunigte. Und bald schon interessierte man sich auch im Ausland für das günstige Zweirad.

Um 1950 wurde die Vespa in Deutschland angeboten, in den Jahren danach auch hierzulande gefertigt. Zu zusätzlichem Ruhm verhalf der Vespa Hollywood: Gregory Peck, Audrey Hepburn und eine Vespa in "Ein Herz und eine Krone" - diese Kombination schrieb ein Stück Filmgeschichte. Bis heute wurden mehr als 17 Millionen Exemplare des Motorrollers gebaut.

Heiko Haupt, gms

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