Freitag, 16. November 2018

Kanzlerwagen Merkels Panzerlimousine

Scheiben aus Panzerglas, Stahlplatten an den Seiten, ein Notausstieg und eine Löschanlage - Bundeskanzlerin Merkel hat diese Woche zwei neue Wagen erhalten: Audi A8 Security.

Ingolstadt - Die neue Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat gerade zwei neue Autos bekommen. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die gepanzerten Limousinen bei Audi in Ingolstadt geordert - zunächst zum Testen, doch bei der bayerischen VW-Tochterfirma ist man überzeugt, damit in den erlesenen Kreis der Kanzleramts-Lieferanten aufzusteigen. Amtsvorgänger Gerhard Schröder (SPD) fuhr bisher im flotten Wechsel mal VW Phaeton, mal 7er BMW oder Mercedes S-Klasse.

Der Audi A8 Security: Das BKA testet den "Panzerwagen"
Die neuen Merkel-Mobile, zwei Audi A8 Security in der Lang-Version, sind auf dem neuesten Stand der Hochsicherheitstechnik. Gepanzerte Scheiben, Stahlplatten, Notausstieg, Blaulicht. "Die Autos haben die höchste Beschussklasse, die es gibt", versichert Audi-Sprecher Eric Felber. Über Details dieser Bepanzerung will er nichts verraten, das sei streng geheim. Die Scheiben halten aber laut Prüfbericht 7,62 Millimeter-Geschosse aus. "Da kann man schon mal mit einem Schnellfeuergewehr draufhalten", sagt Felber. Natürlich muss so ein Wagen auch Handgranaten und Sprengstoff überstehen, deshalb ist die gesamte Karosserie mit Stahlplatten gepanzert.

Angetrieben wird Merkels neues Auto von zwölf Zylindern, Allradantrieb, 450 PS, sechs Litern Hubraum und einem Drehmoment von stattlichen 580 Newtonmetern. Zahlen, die jeden Autoliebhaber ins Schwärmen kommen lassen. Diese geballte Kraft macht es möglich, dass die gepanzerte Luxuslimousine trotz ihres Gewichts von mehreren Tonnen noch flott vom Fleck kommt. Je nach Ausstattung kann der Wagen 200 bis 250 Stundenkilometer erreichen.

Löschanlage und W-Lan-Anschluss

Tastfeld: Die Bedienungskonsole im Innenraum eines Audi A8 Security
Den mindestens eine viertel Million Euro teuren Kanzler-Audi gibt es freilich nicht im Autohaus zu kaufen. Alles wurde in Handarbeit gefertigt. Solche Fahrzeuge werden ja auch nicht so oft bestellt. Obendrein sind viele Extras mit an Bord.

Beispielsweise ermöglicht eine Wechselsprechanlage die Kommunikation zwischen den Fahrgästen im Innenraum und Personen außerhalb des Fahrzeugs, ohne die Scheiben öffnen zu müssen. Der neue Security-Wagen hat zudem eine eigene Löschanlage. Düsen im Motorraum, am Unterboden und an den Rädern versprühen im Ernstfall Löschmittel. Ausgelöst wird diese Dusche von Temperatursensoren oder manuell durch eine Taste in der Mittelkonsole. Ein Rauchabzug im Innenraum ist natürlich selbstverständlich.

Lichtblick: Je nach Ausstattung kann der Audi A8 Security 200 bis 250 Stundenkilometer erreichen
Falls bei einer wilden Verfolgungsjagd die Reifen der Panzerlimousine zerschossen werden, ist Merkels neues Auto auch dafür gerüstet. Mit kaputten Reifen kann es noch 100 Kilometer weit fahren, und das mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern.

Aber was wäre der sicherste Wagen, wenn man damit nur herumfahren könnte? Merkel will die Zeit auf Deutschlands Straßen selbstverständlich sinnvoll nutzen und auf ihren Reisen Akten durcharbeiten, Reden vorbereiten und sich über die aktuellen Ereignisse in der Welt informieren. Deshalb ist die neue Limousine quasi ein rollendes Büro. Telefon mit Freisprechanlage, Video, Bildschirme und ein Faxgerät. Mit der neuesten W-Lan-Technik ist Merkel auch unterwegs immer online. Zur Entspannung nach der harten Regierungsarbeit kann sie sich dann einen Drink aus der Minibar genehmigen und mit dem bordeigenen DVD-Player einen Film anschauen. James Bond wäre wohl neidisch.

Beate Wild, DDP

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH