Freitag, 14. Dezember 2018

Mercedes S-Klasse Rollende Rüstung

Der Markt für gepanzerte Autos wächst angesichts der vielen Anschläge weltweit. Politiker, Firmenlenker und Prominente wollen auch im Auto möglichst sicher sein. Mercedes hat mit seinem S-Guard etwas Neues im Angebot.

Stuttgart - Es fallen Schüsse, ein Knall, Rauchschwaden umgeben das Auto. Mit simulierten Angriffsversuchen demonstrieren Autohersteller und Nachrüstspezialisten, wie sich Offizielle und Privatpersonen vor Anschlägen schützen können. Tatsächlich sind gepanzerte Wagen nicht mehr nur bei Politikern und Prominenten gefragt, auch immer mehr Privatpersonen präferieren einen Schutzpanzer im Auto. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 soll die Nachfrage für Sicherheitstechnik im Auto um rund 20 Prozent gestiegen sein, schätzen Branchenkenner.

Mercedes-Benz S-Guard: Von außen soll man die Panzerung nicht erkennen
Diesem Trend kommt auch Mercedes-Benz nach. Die neue S-Klasse ist kaum auf dem Markt, da stellte das Unternehmen den Wagen auch als Sonderschutzfahrzeug vor. Der Name: S-Guard. Das gepanzerte Modell wird von Spezialisten im Werk Sindelfingen von Grund auf so massiv und unbezwingbar gebaut, dass es in die höchste Widerstandsklasse B6/B7 eingestuft werden kann. Rückwand, Seitenteile, Türen, Dach oder Stirnwand sind aus extra dickem und festem Stahl gefertigt.

"Die Armierung hält sogar Gewehrprojektile aus dem militärischen Bereich auf", verspricht Mercedes. Zudem könnten weder Handgranaten noch andere Sprengsätze dem Wagen etwas anhaben. Der Tank werde sich nach einem Treffer von selbst wieder abdichten, die Reifen tragen das Fahrzeug auch bei vollständigem Druckverlust noch aus der Gefahrenzone.

Garantiert schussfest: Ein gepanzertes Auto der Firma Centigon (ehemals Trasco) Schutz vor Feuer: Mercedes-Benz Guard im Test Hält den Beschuß von 7,65 mm Kaliber Gewehrkugeln stand: Eine 39 mm dicke Autoscheibe aus Panzerglas der Firma MBB Security Cars
Gepanzerte Autoscheibe in der Fertigung: Produktionsstätte der Firma Centigon (ehemals Trasco) Umbauarbeiten: Eine Mercedes S-Klasse in einer Produktionshalle der Firma Centigon (ehemals Trasco) Produktionshalle von Centigon (ehemals Trasco): Bis zu 80 Fahrzeuge werden pro Jahr bei der Centigon (ehemals Trasco) umgerüstet

Gepanzerte Fahrzeuge
Bitte klicken Sie auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Das Problem, dass sich das Modell S-Guard mit allen anderen gepanzerten Autos teilt, ist das Gewicht. Allein die speziellen Scheiben des Wagens wiegen ein Vielfaches der normalen Serienverglasung. Gepanzerte Autos brauchen daher ein auf das drastisch höhere Gewicht abgestimmtes Fahrwerk sowie größer dimensionierte Bremsen und vor allem einen stärkeren Motor als die Standardversion des Modells.

So sicher wie in Abrahams Schoß

Mercedes verspricht für das neue Modell S-Guard "ein nahezu serienidentisches Fahrverhalten". Gut geschützt unter der Haube arbeitet ein Zwölfzylinder-Biturbo-Motor mit der gewaltigen Leistung von 517 PS (380 kW). Über die Fahrleistungen wird, wie über eigentlich alles Details dieser Sonderschutzfahrzeuge, strenges Stillschweigen bewahrt. "Diskretion", sagt ein Mercedes-Sprecher, "ist oberstes Gebot." Die Kundschaft schätzt diese Verschwiegenheit und genießt offenbar das Gefühl, so sicher wie in Abrahams Schoß durch die Lande chauffiert zu werden.

Dieses Gefühl hat seinen Preis. Die bisherige S-Klasse mit Komplettpanzerung verkaufte Mercedes ab 205.000 Euro. Mit dem hohen Gut Sicherheit lassen sich also auch gute Geschäfte machen. Auch das ist ein Grund für die Verschwiegenheit der Hersteller solcher Fahrzeuge. Nicht nur die Kundschaft soll inkognito bleiben, auch die Konkurrenten in dieser kleinen, aber lukrativen Marktnische sollen möglichst keine Informationen erhalten.

Auf die Widerstandsklassen kommt es an

Sonderschutzfahrzeug "Guard Line": Mercedes S-Klasse mit Sicherheitsausstattung
Tatsächlich teilen sich Nachrüsterfirmen wie der US-Konzern Centigon (ehemals Trasco) und Automobilhersteller den Markt für Sicherheitsfahrzeuge. Allerdings bieten nur wenige Hersteller die gepanzerten Limousinen ab Werk an, zu ihnen gehören in Deutschland Mercedes-Benz, Audi und BMW.

Die Wagen werden in verschiedenen so genannten Widerstandsklassen angeboten. Das reicht von B1 bis zu B7. So bieten beispielsweise die Autos mit einem Widerstandswert B4 Schutz vor - wie es heißt - mechanischer Krafteinwirkung und Handfeuerwaffen bis zum Kaliber 044 Millimeter Magnum. Die Klassen B6 und B7 sollen dagegen auch Schutz vor Faustfeuerwaffen, Scharfschützengewehren, Molotowcocktails und Handgranaten schützen.

So bietet Audi beispielsweise den A8 mit einer Widerstandsklasse B6 und B7 und den Audi A6 mit der Klasse B4 an. BMW ist mit einer Widerstandsklasse B4 für den 5er und X5 Security am Start, der 7er mit der Klasse B6 und B7. Mercedes baut für die E-Klasse einen Schutz von B4, B6 und B7 und für die G-Klasse die Widerstandsklasse B6 ein.

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH