Freitag, 14. Dezember 2018

100 Jahre Autos aus Sachsen Was Audi und Trabi gemein haben

Sachsen ist die Heimat des Trabi. Doch die Geschichte des sächsischen Automobilbaus reicht viel weiter zurück, wie ein Stand auf der Leipziger Automesse AMI informiert. Ihr erstes Kapitel begann vor genau einem Jahrhundert mit einem Herrn Horch aus dem Vogtland - dem Vater des Audi.

Zwickau - Der Ursprung des Autos aus Westsachsen liegt im vogtländischen Reichenbach. Der junge Ingenieur August Horch - seit 1896 technischer Leiter bei Benz in Mannheim - war bereits 1902 mit seinem Unternehmen von Köln hierher gezogen, um eigene Autos zu bauen. Auf der Suche nach neuen Kapitalgebern für seine Autoproduktion gelangte Horch schließlich nach Zwickau.

Fertigung des F7 (1937) im Audiwerk Zwickau: Stammvater des Trabi
Im Jahre 1904 gründete der damals 36-jährige Techniker seine Firma und baute noch im selben Jahr 21 Autos. Horch überwarf sich jedoch mit dem Aufsichtsrat und verließ das Unternehmen 1909. Sofort gründete er am gleichen Ort eine neue Firma. Da er per Gerichtsbeschluss seinen eigenen Namen nicht verwenden durfte, verhalfen die Lateinkenntnisse des Sohnes einer seiner Geldgeber dem neuen Unternehmen zu seinem Namen: Audi - die Übersetzung des Namens Horch ins Lateinische.

Aus Horch wird Audi

Durch die Weltwirtschaftskrise und wachsende Konkurrenz an den Rand der Existenz getrieben, schlossen sich Horch und Audi 1932 mit den Zschopauer Motorenwerken - einem bekannten Motorradhersteller - und der Chemnitzer Firma Wanderer zur Auto-Union AG zusammen. Die vier Ringe, die noch heute im Logo von Audi zu sehen sind, stehen für die vier Firmen.

August Horch: 1904 gründete der Ingenieur seine Firma Horch in Zwickau
Bereits 1928 hatte man bei Audi in Zwickau mit dem Bau von kleinen, für ein breites Publikum erschwinglichen Autos begonnen. Als F-Reihe eroberten diese mit robusten Zweitaktmotoren und Vorderradantrieben ausgerüsteten Kleinwagen über viele Jahre die Herzen der Automobilisten und wurden zu Stammvätern des Trabant.

1938 war der F9 die Antwort der Auto-Union auf den Volkswagen. Auch nach 1945 brauchten sich die Zwickauer Automobilbauer nicht zu verstecken. Die Palette umfasste den F8, den P70 als erstes Auto mit Kunststoffkarosserie und schließlich ab 1958 den Trabant. Das Ende der Trabant-Fertigung im April 1991 markiert den Wendepunkt in der langen Geschichte des Automobilbaus in Sachsen.

Sachsen-Classic und Trabi-Rallye

Seit 1991 fertigt VW in Zwickau/Mosel den Golf der fünften Generation, Porsche hat die Endfertigung des Cayenne in Leipzig hochgezogen, nicht weit davon will BMW im kommenden Jahr ein Werk mit rund 5000 Arbeitsplätzen eröffnen und der Phaeton - die Nobelkarosse von VW - entsteht in einer gläsernen Fabrik in Dresden praktisch vor den Augen des Publikums.

F8 Front-Luxus Cabriolet: Robuste Zweitaktmotoren und Frontantrieb
Ein Höhepunkt des Festjahres wird die Internationale Oldtimer-Rallye "Sachsen Classic" sein, die am 16. September in Zwickau startet und am 19. September in Dresden endet. Als Kultereignis gilt mittlerweile die "Trabi-Rallye" beim Trabantfahrer-Treffen, das vom 18. bis 20. Juni auf dem Flugplatz Zwickau stattfindet und das es im vergangenen Jahr auf die Rekordbeteiligung von über 4000 originellen Trabis brachte.

Für Freunde des fahrenden Untersatzes lohnt sich ein Besuch an der ersten Wirkungsstätte August Horchs in Zwickau. Das neue Museum - untergebracht in einem denkmalgeschützten Gebäudeensemble, in dem Horch 1910 die Audi-Werke gründete - wird jedoch erst im September eröffnet. Bis dahin ist die Sammlung der sächsischen Automobilhistorie übergangsweise noch in der Crimmitschauer Straße zu besichtigen. Von Horch über Audi, DKW und Wanderer bis zu Trabant und VW spannt sich dort der Bogen an historischen und modernen Fahrzeugen.

Auch Chemnitz lädt Oldtimer-Freunde in diesem Jahr ein: Bei der "Chemnitz Classic" vom 27. Mai bis 1. Juni werden rund 150 historische Automobile um die Wette glänzen. Und wer das Originalgefühl, mit einem sächsischen Motor im Auto die Gegend zu erkunden, hautnah genießen will, der kann an einigen Orten einen Trabant mieten und damit Westsachsen unsicher machen.

Von Ditmar Hauer, ddp

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