Dienstag, 20. November 2018

Trasco Panzer im Schafspelz

1995 wurde auf den heutigen spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar ein Attentat verübt. Er überlebte, weil seine Limousine gepanzert war. Nicht nur solche Sicherheitswünsche erfüllt der Karosseriespezialist Trasco. Er baut auch schon mal ein höheres Dach, damit ein Turban drunter passt.

Osterholz-Scharmbeck - Handgranaten und Schüsse mit NATO-Gewehren haben dem weißen Geländewagen übel zugesetzt. Die Seiten des Fahrzeugs sind verbeult und von Einschusslöchern gezeichnet, die Windschutzscheibe ist von Rissen durchzogen.

Maßarbeit: Die fertigen Panzerfahrzeuge sehen aus wie die Serienmodelle, hier ein Toyota in der Trasco-Werkstatt
Hätten Menschen in dem Jeep gesessen, hätten sie jedoch überlebt. Dies bescheinigt das Staatliche Beschussamt Mellrichstadt, welches das "Peacekeeper"-Modell der Firma Trasco Bremen als schusssicher zertifiziert hat. Das Unternehmen, das sich zu den Weltmarktführern seiner Branche zählt, stellt in Osterholz-Scharmbeck (Niedersachsen) sogenannte Sonderschutzfahrzeuge her.

Diese Panzerwagen werden von Regierungschefs und Wirtschaftsbossen gekauft. Als die neue Bundesregierung 1998 ihre Arbeit aufnahm, rüstete Trasco die Audi-Staatskarossen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seinen Kabinettskollegen auf.

90 Prozent der jährlich 50 bis 80 Limousinen und Geländewagen aus dem Hause Trasco gehen jedoch ins Ausland, wie Sprecherin Regina Manske sagt, die meisten in Staaten der ehemaligen Sowjetunion und in den Mittleren Osten. 1995 überlebte der heutige spanische Ministerpräsident José María Aznar in einem Trasco-Gefährt einen Autobombenanschlag der baskischen Terrororganisation ETA.

 Geballert, aber legal: Im Staatlichen Beschussamt Mellrichstadt werden Testexemplare der Panzerwagen durchlöchert  Hart, aber durchsichtig: Eine Spezialglasscheibe auf dem Weg zur Montage  Kaputt, aber amtlich: Beruhigende Testergebnisse  Käse, aber nicht Schweizer: Die Löcher sind nur im äußeren Blech  Fingerzeig, aber stolz: Label für ein Schwergewicht

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Derzeit produziert das seit einem Jahr zur amerikanischen Armor Holdings gehörende Unternehmen überwiegend Geländewagen. Diese werden zum Beispiel von den Vereinten Nationen geordert, deren Mitarbeiter in Krisengebieten wie Afghanistan im Einsatz sind.

Große Medienanstalten kaufen die Autos für ihre Kriegskorrespondenten. Nach den Terrorakten vom 11. September 2001 verzeichnete Trasco eine steigende Nachfrage. Der Vertrieb und die Entwicklungsabteilung des Unternehmens werten weltweit Attentate aus, um immer auf dem neuesten Stand zu sein, welche Waffen in welchen Regionen gerade verbreitet sind.

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