Montag, 17. Dezember 2018

Edel-Wohnmobile Villen auf vier Rädern

Gaskocher, Klappstuhl, drangvolle Enge: Wer Urlaub auf vier Rädern präferiert, der muss auf Luxus verzichten. Denkt man. Dabei gibt es Reisemobile, die kaum einen Wunsch offen lassen.

Bohmte - Mikrowelle statt Gaskocher, Nappaledersofa statt Klappstuhl und Navigationssystem an Stelle der verknickten Landkarte auf den Knien des Beifahrers. Reisemobile, für viele eher der günstige Weg zur Erkundung der Welt, können puren Luxus bedeuten.

Exklusive Kompaktklasse: Vario Star 750
"Wer sich ein neues Fahrzeug leisten kann, will nicht auf den Komfort von zu Hause verzichten", sagen Branchenkenner. Auf solche Reisemobilisten setzt die Variomobil Fahrzeugbau GmbH aus Bohmte im Kreis Osnabrück mit ihren Villen unter den fahrbaren Häusern.

Bis zu 12 Meter lang sind die Luxusreisemobile, an deren Scheiben sich Neugierige auf Campingplätzen die Nase gern platt drücken. Von 120.000 bis zu 700.000 Euro kosten die Camper-Träume, sagt Vario-Geschäftsführer Frank Mix. Wer den luxuriösen Gegenwert im Innern sehen will, scheitert meist an schwarz getönten Scheiben. Dahinter verbergen sich Möbel etwa aus Kanadischem Ahorn oder Nappaleder im Salon, Granit und Chrom in Küche und Bad.


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"Ein bisschen boomt die Branche noch immer"

Satellitenfernsehen und DVD-Player sorgen für Unterhaltung, im Heck ist sogar Platz für einen Porsche - auf Wunsch passend zum Reisemobil lackiert. Variomobil-Fahrer benötigten manchmal sogar einen Lastwagen-Führerschein, berichtet Ralph Binder vom Caravaning Industrie Verband (CVI). Denn die Fahrzeuge sind nicht nur teuer, sondern auch bis zu 18 Tonnen schwer. Obwohl sich die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert hätten, wolle er sich nicht beklagen - im Ausland wachse das Interesse an den Luxusmobilen. Besonders gefragt seien günstigere Gebrauchte und Ausstellungstücke.

Platz für einen Kleinwagen: Vario Perfect 1100
Ob Luxus pur oder schlichter Komfort, der Reisemobil-Markt stehe derzeit gut da, sagt Rolf Keuter, Sprecher des Herstellers Lord Münsterland Caravan (LMC). "Ein bisschen boomt die Branche noch immer." Das Sassenberger Unternehmen baut Fahrzeuge für 30.000 bis 100.000 Euro. Der Absatz sei in den vergangenen zehn Jahren von etwa 1000 auf 1800 Fahrzeuge gestiegen. Die jüngste Marktentwicklung jedoch sieht Ralph Binder vom CVI nicht ganz so rosig: "Im Jahr 2001 wurden 27.100 Fahrzeuge produziert, 2002 noch gerade 25.500."

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD), Jens Kowald, schätzt, dass die Zahl der von deutschen Urlaubern genutzten Fahrzeuge in den letzten zehn Jahren von 45.000 auf 450.000 gestiegen sei. Wie alle Wohnmobiltouristen legen auch die Reisenden der Luxusklasse Wert darauf, im Urlaub mobil und flexibel zu sein - ein Trend der sich bereits seit den achtziger Jahren als boomende Entwicklung im Tourismus abzeichnet.

Caravaning-Virus im Blut?

Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist und es sich leisten kann, macht sich die fahrende Unterkunft so bequem wie möglich. Seine Kunden seien oft Frührentner, die beruflich schon viel gereist sind, erzählt Vario-Geschäftsführer Mix. Im Gegensatz zu anderen Urlaubern sei die Unterbringung in Hotels für sie eine gewohnte, lästige Pflicht. Die Reise im "Wunschmobil" hingegen die Kür - Urlaub in den eigenen vier Wänden. Neueinsteiger in Sachen Camping verirrten sich nur selten nach Bohmte. "Man muss den Caravaning-Virus schon in sich haben", vermutet Ralph Binder. Und auch den Wunsch, im Urlaub in Bewegung zu sein: "Die Finca auf Mallorca kann selbst ein Luxuswohnmobil nicht ersetzen."

Tanja Könemann, dpa

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