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03.05.2010
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Bentley Mulsanne

Üppiges Innenleben

Aus Edinburgh berichtet Jürgen Pander

Die großen Bentley-Limousinen waren in den vergangenen 80 Jahren eigentlich modifizierte Rolls-Royce-Modelle. Das ist nun vorbei. Denn die Briten haben wieder ein eigenständig entwickeltes Flaggschiff, den 2,6-Tonner Mulsanne. Ein Fahrtest mit der Luxuslimousine alten Schlags.

Edinburgh - Hat man ein "Full Scottish Breakfast", also ein Frühstück mit Brat- und Blutwurst, Speck und Spiegelei, Bohnen, Kartoffelpie, Pilzen und Grilltomate verzehrt, kann man sich gar nicht vorstellen, jemals wieder Appetit zu bekommen. Unter Autos ist der neue Bentley Mulsanne so etwas wie ein schottisches Traditionsfrühstück. Ein "Mehr geht eigentlich nicht"-Wagen, der auf raffinierte Art schlicht, üppig und edel zugleich ist. "W.O. Bentley, der Gründer unseres Unternehmens", behauptet der heutige Bentley-Chef Franz-Joseph Paefgen, "wäre stolz auf dieses Auto."

Um dies zu verdeutlichen, parkt vor dem Privat-Golfklub in der Nähe von Edinburgh, in dem derzeit die Mulsanne-Premiere stattfindet, auch der letzte Dienstwagen des Firmengründers - ein Bentley 8 Litre des Baujahres 1930. Das schwarz glänzende Automobil ist zugleich der letzte Typ der Marke, der ein ganz und gar selbständig entwickeltes Fahrzeug war. Kurz darauf ging Bentley in Konkurs und die Koexistenz mit Rolls-Royce begann.

Auch das bisherige Top-Modell Arnage, dessen Nachfolge der Mulsanne jetzt antritt, war eigentlich ein Rolls-Royce Silver Seraph mit Bentley-Emblem auf dem Kühler. Seit 1998 gehört die Marke zum VW-Konzern. Unter Wolfsburger Regentschaft wurde zunächst die neue, schlankere Baureihe Continental entwickelt, der wuchtige Arnage aber blieb im Programm und wurde bis vor wenigen Monaten gebaut.

Wer möchte, kann den Wagen tagelang konfigurieren

Ab Herbst sollen die ersten Modelle des Mulsanne ausgeliefert werden. Die erste Jahresproduktion, etwa 700 Autos, sei bereits reserviert, frohlockt Vertriebsvorstand Stuart McCullough. Der Grundpreis in Deutschland liegt bei 289.170 Euro, der reale Durchschnittspreis dürfte aber eher bei 350.000 Euro liegen - es locken als Extras eine speziell angerührte Außenfarbe, eine besonders üppige Holzvertäfelung im Innenraum oder die leistungsstärkste Musikanlage in einem Serienauto überhaupt, ein 2200-Watt-System des Herstellers Naim.

Insgesamt 450 Stunden Bauzeit sind nötig, um das 5,57 Meter lange und nahezu zwei Meter breite Highend-Trumm auf die 20-Zoll-Räder zu stellen. Allein 170 Stunden sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, den Innenraum einzurichten. 17 Lederhäute werden dabei verarbeitet und so viel Holz wie bei keinem anderen Modell. Teppiche, Nähte und sogar die Sicherheitsgurte lassen sich ganz nach Geschmack farblich abstimmen. "Es gibt", sagt McCullough, "theoretisch mehr als eine Milliarde Varianten, einen Bentley Mulsanne auszustatten."

Unter der Haube sitzt ein 6,75-Liter-V8-Motor, also eine Maschine mit den klassischen Bentley-Werten, jedoch von Grund auf neu entwickelt. 512 PS leistet das Aggregat, viel wichtiger aber ist das maximale Drehmoment von 1020 Nm, das bereits ab 1750 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute anliegt. Auf die Straße gebracht bedeutet das ein Spurtvermögen von 0 auf Tempo 100 in 5,3 Sekunden und eine mögliche Höchstgeschwindigkeit von 296 km/h.

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