Aus Genf berichtet Tom Grünweg
Während bei VW das Angebot in die Breite geht, holt Audi den Kleinwagen ins Premiumsegment und montiert aus dem Baukasten des Polo den schmucken A1. "Damit beweisen wir, dass Premium keine Frage der Größe ist", sagt Audi-Chef Rupert Stadler über den 3,95 Meter kurzen Winzling mit 86 bis 122 PS, dessen Preise bei etwa 16.000 Euro beginnen werden. Und das wird es vielleicht noch nicht gewesen sein: Denn neben dem fest eingeplanten Fünftürer liebäugeln die Bayern auch noch mit einem weiteren Mini: "Wir haben in Format und Nomenklatur ja ganz bewusst eine Lücke zwischen A1 und A3 gelassen", sagt dazu Stadler.
Aber der Audi-Chef ist in Genf nicht der einzige Debütant. Auch Aston-Martin-Boss Ulrich Bez will großes Geld für kleine Autos und zeigt im Palexpo deshalb zum ersten Mal den Cygnet. Als eine Art Mini für Millionäre gibt der liebevoll veredelte Toyota iQ die Zugabe zu sportlichen Luxuslinern wie dem Rapide oder dem Vantage und verkauft sich offenbar sehr gut. Obwohl mit ordentlich Lack und Leder schnell dreimal so teuer wie das Original, bestellen viele Aston-Martin-Kunden den Zwerg im Smoking gleich mit, berichtet Bez.
Während Audi und Aston-Martin ihr Kleinwagenprogramm erst aufbauen, wird es bei der Konkurrenz bereits kräftig ausgebaut. Mini zum Beispiel präsentiert in Genf die mittlerweile vierte Spielart des Neo-Klassikers und stößt mit dem Countryman in völlig neue Dimensionen vor. Für Preise ab 20.200 Euro gibt es nicht nur den ersten Mini mit vier angetriebenen Rädern, sondern auch den ersten Mini mit vier Türen und mit mehr als vier Metern Länge. Statt von einem Kombi oder einem Geländewagen sprechen die Bayern bei diesem Auto allerdings lieber von einem "CrossOver" und liegen damit voll im Trend.
Denn auch bei Nissan dreht sich so ein moderner Zwitter im Rampenlicht. Juke heißt der coupéhaft gezeichnete Viertürer mit Allradantrieb, Kombiheck und der vielleicht eigenwilligsten Fahrzeugfront der Messe, der wie ein geschrumpfter Qashqai mit einer Prise Sportwagen seinen Platz in den Segmenten erst noch finden muss. Daran hat auch Marktforscher Margetts noch zu kauen. "Wir wissen einfach nicht, wo wir so ein Auto einsortieren sollen", klagt der Analyst und freut sich, dass nebenan auch noch der neue Micra steht. Die vierte Generation des Kleinwagens ist erstmals als Weltauto konzipiert, soll 160 Märkte erobern und wird bei der Sortierung keine Mühe bereiten. Zwar sieht der Viertürer auf den ersten Blick fast so vertraut aus, dass man ihn mit seinem Vorgänger verwechseln könnte. Doch weiß da wenigstens jeder, woran er ist.
Kleinwagen: Die Genfer Neuheiten in Bildern
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