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02.02.2010
 

Tata Nano

Das Billigauto wird zum Edelflitzer

Von Tom Grünweg

Bislang haftet am Tata Nano das Etikett Billigauto. Doch Dilip Chhabria, Designer und Tuner aus Indien, hat den Kleinstwagen als Lifestyle-Vehikel auserkoren. Er plant, das kleine Auto in einen Must-have-Knirps umzuwandeln und zum Preis eines Ferrari zu verkaufen.

Delhi - Ein Tato Nano für den Preis eines Ferrari - für den indischen Designer Dilip Chhabria ist das nicht undenkbar. Das Enfant Terrible der Autoindustrie des Subkontinents hat eben dieses angekündigt: einen Über-Nano, der die Idee des Kleinstwagens total konterkariert. Während VW, Toyota & Co. vor dem umgerechnet nicht einmal 2000 Euro teuren Automodell für die Massenmotorisierung in den Schwellenländern zittern, will Chhabria den spartanischen Autoknirps aufrüsten bis zum Geht-nicht-mehr. Der Umbau werde mindestens 10 Millionen Rupien kosten - umgerechnet rund 150.000 Euro - kündigte er kürzlich auf der Motorshow in Delhi an.

Bislang gibt es lediglich eine Skizze und eine Teileliste für den aufgemotzten Nano. Doch bereits daraus ergibt sich ein viel versprechendes Bild - das jedenfalls nichts mehr mit dem 35-PS-Original zu tun hat. Der getunte Tata Nano soll Flügeltüren bekommen und dazu beispielsweise Kameras, die die Außenspiegel ersetzen. Des Weiteren Xenon-Scheinwerfer und LED-Technik in den Blinker und Rückleuchten, außerdem eine bis weit ins Dach gezogene Frontscheibe.

Die sportliche Ausstrahlung sollen Spoiler und Schweller aus Karbon sicher stellen, als weitere Zutaten werden Breitreifen auf 13 Zoll großen Alufelgen, ein Sportfahrwerk und überaus potenter Motor genannt. Beim Triebwerk im Heck soll es sich um den 1,3 Liter großer Vierzylindermotor aus der Suzuki Hayabusa handeln, der schon ab Werk 197 PS leistet und von manchem Tuner bereits in Leistungsbereiche weit über 500 PS getrieben wurde. Tempo 200 sollten dann durchaus möglich sein, sofern es auf indischen Straßen die Gelegenheit dazu gibt.

High-End-Autozwerge für Sehr-gut-Verdiener

Beim Blick auf das Nano-Projekt und die Galerie anderer Entwürfe drängt sich zunächst der Eindruck auf, Chhabria sei ein Auto-Exzentriker. Andererseits entstanden bei seiner Firma DC Design in den vergangenen 15 Jahren zahlreiche Entwürfe und Prototypen, die es auf die Straße geschafft haben. "Mehr als 500 verschiedene Autos sind in Indien bereits unterwegs, bei denen DC Design in Gestaltung oder Entwicklung involviert war", schreibt Chhabria auf seiner Website und nennt als Partner alle großen Namen aus der Branche. Auch der Luxus-Nano sei keine Luftnummer, lässt der an Visionen reiche Firmenchef ausrichten: Man plane eine Kleinserie des extremen Winzlings und wolle jedes Jahr eine Handvoll Autos bauen, heißt es auf Nachfrage.

Mit extremen Umbauten hat DC Design also bereits Erfahrung: Auf der Website und durchaus auch in den Garagen diverser Bollywood-Millionäre stehen zahlreiche skurrile Studien, die angeblich allesamt fahrfähig sind. Und auf der Motorshow in Delhi enthüllte die Firma gleich zwei neue Autos zum Staunen: Nämlich die Modelle Imperator und Ying Yang. Den einen feiert Chhabria als erste gelungene Kreuzung aus Supersportwagen und Luxus-Offroader, den er mit Flügeltüren, 28 Zoll großen Rädern und Allradantrieb als Schnittmenge zwischen Audi Q7 und R8 sieht. Und den anderen hält er für den ultimativen Traum aller Pendler, die der Einsamkeit und Langeweile im Dauerstau überdrüssig sind.

Die beiden Prototypen sind genauso abgedreht wie der Luxus-Nano. Ob Chhabria von dem geplanten Highend-Autozwerg tatsächlich einige Exemplare an die Sehr-gut-Verdiener in Bombay oder Delhi absetzen kann, scheint fraglich. Andererseits gibt es bereits ein Beispiel, das nach genau diesem Muster offenbar funktioniert. Der britische Sportwagenhersteller Aston Martin etwa kann sich vor Anfragen nach dem Edel-Kleinwagen Cygnet angeblich kaum retten. Und dieses Mini-Mobil im Look der feinen Briten ist lediglich ein aufwändig getunter Toyota iQ.

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