Von Tom Grünweg
Hamburg - Mancher Mittelklassewagen weiß inzwischen womöglich mehr über seine Fahrer als dessen Ehefrau. In den elektronischen Eingeweiden moderner Pkws werden Informationen über den Musikgeschmack gespeichert, einige Bordcomputer können die Stimmung des Piloten ablesen; und dank eingebautem GPS weiß der Wagen schon nach einigen Tagen, in welche Kneipe der Fahrer abends üblicherweise einkehrt, und kann präzise Bewegungsmuster erstellen.
Diese Informationen wollen sich Entwickler der Autoindustrie jetzt zunutze machen - um Menschen am Steuer unaufgefordert Hilfe zu bieten und das Autofahren entspannter zu gestalten. Zu diesem Zweck hat etwa das Electronic Research Lab (ERL) des VW-Konzerns in Kooperation mit dem renommierten Massachusetts Institute Of Technology (MIT) das Forschungsprojekt Aida (Affective Intelligent Driving Agent) gestartet.
Kürzlich wurde dazu in einen Audi erstmals ein elektronischer Beifahrer eingebaut. Wie Kai aus der Kiste entsteigt der Roboter dem Armaturenbrett, funkelt den Fahrer mit freundlichen blauen LED-Augen an und geht dann an die Arbeit als Co-Pilot.
Unterwegs zum Lieblingsladen
Bereits nach wenigen Tagen soll Aida die üblichen Routen und Routinen des Fahrers registriert haben, wissen, wo und wann er arbeitet, in welchen Geschäften er am häufigsten einkauft und an welchem Wochentag er einen Termin im Fitnessstudio hat. Außerdem ist Aida mit der Umgebung vernetzt, kennt freie Parkplätze und hat die aktuellen Verkehrsbehinderungen im Blick.
Dass der Beifahrer-Butler auch weiß, wie viel Sprit noch im Tank schwappt und ob der Luftdruck in den Reifen korrekt ist, versteht sich von selbst. Nach Audi-Angaben funktioniert der erste Prototyp bereits recht gut - Testfahrzeuge für die Öffentlichkeit sind allerdings nicht erhältlich.
"Wenn Aida die Routinen des Fahrers und das Wissen über die örtlichen Gegebenheiten kombiniert, kann das System hilfreiche Schlüsse daraus ziehen", sagt Assaf Biderman, der am MIT das "SENSEable City Lab" leitet. "In einer Woche hat Aida den Weg von der Wohnung zum Arbeitsplatz drauf. Und kurz danach kann das System, ungefragt wie jeden Donnerstag, den Lenker zu seinem Lieblingsladen führen und dabei um das Straßenfest herum fahren, das die gewohnte Route ausgerechnet heute blockiert", erläutert er die Möglichkeiten.
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