Aus Oslo berichtet Tom Grünweg
Oslo - Thor Henning Olsen kann die Zurückhaltung nicht verstehen. "Auch Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb sind doch ganz normale Autos", sagt der norwegische Ingenieur.
Er muss es wissen, schließlich ist er einer der wenigen Menschen, die einen Wasserstoff-Pkw bereits mehrere Monate im Alltag genutzt haben. Sein Arbeitgeber ist eine von rund 50 Firmen, die am norwegischen Wasserstoff-Projekt HyNor beteiligt sind. Einige von Olsons Kollegen fahren ebenfalls extrem saubere Dienstwagen. Denn während Otto- oder Dieselmotoren CO2 ausstoßen, kommt aus dem Auspuff von Wasserstoffautos nur Wasserdampf.
Fünf Tankstellen für eine Handvoll Autos
Wasserstoff gilt als idealer Kraftstoff der Zukunft, weil Wasser als Rohstoff auf der Erde nahezu unbegrenzt verfügbar ist, der Energieträger mit grünem Strom produziert werden kann und schadstofffrei verbrennt. Nur leider gibt es die umweltfreundlichen Kraftstofffabriken mit der erforderlichen Kapazität erst in der Theorie. Und die Infrastruktur für den hochexplosiven Stoff steckt noch in den Kinderschuhen.
Immerhin, es gibt Anfänge. Ingenieur Olson beispielsweise ist, obwohl die Reichweite seines Wasserstoff-Prototypen sehr gering ist, bei Autofahrten jetzt nicht mehr auf den Großraum Oslo beschränkt. Denn vor wenigen Tagen wurde in Norwegen der Hydrogen-Highway eröffnet, eine der weltweit ersten Langstrecken mit durchgehender Wasserstoffversorgung. Fünf Tankstellen garantieren, dass Fahrzeuge, die den Zukunftskraftstoff benötigen, die 600 Kilometer von Oslo nach Stavanger problemlos überwinden.
Noch ist der Verkehr auf der sauberen Straße in die Zukunft dünn. Kaum zwei Dutzend Fahrzeuge gehören bislang zum Projekt, Ende 2010 sollen es 50, bis zum Jahr 2015 dann 350 Autos sein, die mit Wasserstoff durch Norwegen kurven. Gerade erst sind wieder zwei neue dazugekommen: Denn als bislang einziger Autohersteller setzt Mazda in Norwegen zwei Sportwagen vom Typ RX8 mit Wasserstoff-Wankelmotor ein.
Während die meisten anderen Hersteller das Gas in einer Brennstoffzelle in Strom umwandeln und mit dem dann einen Elektromotor speisen, wird der Wasserstoff im Mazda-Wankelmotor direkt verfeuert. Angeblich ist der Kreiskolbenmotor dafür besser geeignet als ein Aggregat mit Hubkolben. "Eine Brennstoffzelle ist zu teuer und zu anfällig, insbesondere bei tiefen Temperaturen", sagt Mazda-Projektleiter Akihiro Kashiwagi. "Außerdem kann man einer Brennstoffzelle nicht per Reservekanister einen anderen Kraftstoff zuführen." Dem Mazda-Prototypen aber durchaus, denn falls der saubere Sprit zur Neige geht, fährt das Auto auf Knopfdruck mit Benzin weiter. Bei derzeit noch weniger als 200 Wasserstoff-Tankstellen weltweit ist das kein unwichtiges Argument.
© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH