Von Tom Grünweg
Stuttgart - Die 100 Elekto-Smart in London waren nur der Anfang. Mercedes arbeitet an mehreren neuen Elektroautos. Das ist die Botschaft dreier Studien, mit denen die Schwaben im Januar auf der Motorshow in Detroit auftrumpfen wollen. In Gestalt einer weiterentwickelten B-Klasse zeigt Mercedes unter dem Namen Blue Zero drei für unterschiedliche Reichweiten zugeschnittene Lösungen.
Daher auch der alberne Name: Blau, weil Mercedes offenbar das Wort Grün für die Öko-Modelle scheut; Zero, weil bei immmerhin zwei der drei Studien keine Abgase mehr aus dem Auspuff kommen. Dass die Schwaben gleich mit drei Varianten in die Zukunft stromern, zeugt nicht von Entscheidungsschwäche. Daimler-Chef Dieter Zetsche erklärt es so: "Das flexible Konzept ermöglicht Elektromobilität für jeden Bedarf." Jedes der drei Autos ist für unterschiedliche Reichweiten ausgelegt. Das Format des Trios wiederum ist identisch: 4,22 Meter lang, 1,89 Meter breit und 1,59 Meter hoch.
Allen drei Typen gemein ist das futuristische Design mit verkleideter Hakennase, filigran gestalteten Schweinwerfen und den teils transparenten Karosserieblechen. Außerdem der Elektromotor, der auf eine Dauerleistung von umgerechnet 95 PS und 180 Nm kommt. Kurzfristig stellt er sogar 136 PS und 320 Nm bereit, hat also ungefähr so viel Mumm wie ein V6-Benziner. Der Motor beschleunigt die Blue-Zero-Modelle in weniger als elf Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis auf 150 km/h. Schneller geht es nicht, die Energie soll schließlich nicht in Geschwindigkeitsorgien verpuffen, sondern Reichweite bringen.
Unterschiedliche Antriebssysteme
Die Unterschiede der Autos stecken in der Stromversorgung und damit im Aktionsradius: Bei der Version E-Cell kommt die Energie aus einem 35 kWh großen Litihium-Ionen-Akku, der Strom für maximal 200 Kilometer speichern kann. Zum Laden der leeren Batterie muss der Wagen vier Stunden an einer normalen Haushaltssteckdose angeschlossen werden; mit einer speziellen 15 kW-Buchse klappt es in der halben Zeit. Genug Energie für 50 Kilometer Fahrt wäre dann bereits nach 30 Minuten vorhanden.
Als Vision für die Mittelstrecke ist der Mercedes Blue-Zero-F-Cell gedacht. Bei diesem Modell wird der Strom an Bord von einer Brennstoffzelle aus Wasserstoff erzeugt. Wäre das Gas tatsächlich schon an Tankstellen verfügbar und würde es CO2-neutral hergestellt, komme man mit dieser Studie pro Wasserstoff-Tankfüllung 400 Kilometer weit, und aus dem Auspuff würde nichts als Wasserdampf hervorquellen.
Weil es bis dahin noch etliche Jahre dauern kann, gibt es als dritte Variante den Blue-Zero-E-Cell Plus. Ähnlich wie der Chevrolet Volt bekommt dieser Prototyp einen sogenannten Range Extender. Im Mercedes-Modell ist das der 68-PS-Dreizylindermotor aus dem Smart, der während der Fahrt als Generator fungiert und die 17,5 kWh große Batterie lädt. Die Maschine sitzt in der Reserveradmulde und erhöht die Reichweite auf rund 600 Kilometer.
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