Von Tom Grünweg
St. Niklausen - Es ist ein fast schon unheimliches Gefühl, das den Reiz von Elektroautos ausmacht. Man hört keinen Laut - trotzdem reicht ein sanfter Druck aufs Fahrpedal, um davonzujagen. Bislang ist dieses beeindruckende Erlebnis nur ganz wenigen vorbehalten. Denn Autos mit Elektroantrieb sind rar - und sehr teuer.
Der Tesla Roadster etwa, Prototyp des Stromflitzers, kostet mehr als 100.000 Euro. "Elektromodelle, die bezahlbar sind, erinnern eher an eine aufgerüstete Golfkarre als an ein Auto", klagt der Schweizer Investor Lorenzo Schmid, der in der Vergangenheit erfolglos versuchte, ein derartiges Verzichtsfahrzeug auf die Straße zu bringen.
Zwischen den beiden Elektroauto-Extremen klafft laut Schmid eine riesige Lücke. Die will er gemeinsam mit dem ehemaligen VW-Chefdesigner Murat Günak und dem Designprofessor Paolo Tummineli füllen - mit dem Mindset. Entworfen wurde dieses Auto am Vierwaldstätter See in der Zentralschweiz.
Eher einladend als polarisierend
Die Details sind noch unklar, aber angeblich gibt es bereits einen noch geheimgehaltenen Produktionspartner - und im nächsten Jahr sollen die ersten Autos auf die Straße kommen. Die Ankündigungen klingen äußerst ambitioniert. Immerhin gibt es nun, außer einem zusammengeschusterten Technologieträger, zumindest einen fahrfähigen Prototypen. Er wurde vom französischen Zulieferer Heuliez gebaut.
Der Entwurf Günaks wirkt unkonventionell. Doch ist das 4,20 Meter lange Coupé mit dem eigenwilligen Heck und den großen, schmalen Rädern so gefällig, dass es eher einladend als polarisierend wirkt. Dazu passt auch der schlichte, feine Innenraum, der mit Leder in warmen Brauntönen ausgeschlagen ist. Wo bei anderen Autos ein klobiges Cockpit sitzt, hat der Mindset einen großen Bildschirm. Und wo in anderen Sparmodellen dünne, unbequeme Sitze montiert wurden, empfängt der Mindset die Passagiere mit einer durchgehenden Lederbank. "In diesem Auto soll man gelassen sitzen und genießen. Hier machen auch 60 km/h Spaß", sagt Günak.
Der Elektromotor hat durchaus das Zeug für mehr: 95 PS und 220 Nm reichen bei 900 Kilogramm Gewicht für einen Sprintwert von weniger als sieben Sekunden. Das Tempo ist auf 140 km/h begrenzt, in der Schweiz gilt ohnehin ein Limit von 120 km/h. Versorgt aus Lithium-Ionen-Akkus, die binnen zwei Stunden voll geladen sind, hat der Mindset eine Reichweite von 100 Kilometern. Danach springt, ähnlich wie beim Chevrolet Volt von General Motors, eine Art Notstromaggregat an, das aus 30 Litern Sprit elektrische Energie für weitere 700 Kilometer erzeugt.
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