Von Tom Grünweg
Europa im Visier
Nach dem Marketingerfolg in den USA nimmt Tesla jetzt Europa ins Visier: "Ab sofort können die Kunden die Autos bestellen, und ab nächstem Frühjahr beginnen wir mit der Auslieferung", verspricht Manager Esben Pedersen, der dem Roadster hierzulande den Markt bereiten will und allenfalls mit zwei Handvoll Händlern rechnet: Metropolen wie London und Paris stehen auf seiner Liste, vielleicht Kopenhagen und Mailand, und vor allem Deutschland. "Wir werden auf jeden Fall nach Hamburg und München gehen, und auch für Frankfurt rechnen wir uns gute Chancen aus", sagt Pedersen.
Dass es bis dahin womöglich auch die ersten Elektroautos von Smart und Mini geben wird und dass Chevrolet den Massenmarkt mit seinem Volt aufrollen will, ficht Siry nicht an: "Solche Konkurrenz ist eher hilfreich als schädlich", sagt der Marketingchef: "Wer bislang noch Zweifel an der Technologie hatte, fasst sicher schneller Vertrauen, wenn die großen Hersteller mit im Boot sind".
Noch muss sich Siry um seine Kunden ohnehin keine Gedanken machen: Bei einer Produktion von derzeit zehn und im nächsten Frühjahr höchstens 40 Autos pro Woche übersteigt die Nachfrage bei weitem das Angebot. Zumal Tesla allenfalls die Hälfte seiner Autos hier verkaufen will. Um die maximal 1000 Autos, die Tesla für das nächste Jahr für Europa reserviert hat, müssen sich die Kunden in Deutschland, Dänemark oder England auch noch mit den Amerikanern balgen; genervt von Lieferfristen bis weit ins Jahr 2010 versuchen viele Kunden aus den USA, sich auf die europäische Bestellliste zu mogeln - und so ihre Wartezeit zu verkürzen.
Außerdem spekulieren sie auf das bessere Auto: Denn während Tesla in Kalifornien noch den alten Motor mit 250 PS und Zweiganggetriebe ausliefert, werden die Europäer 300 PS bekommen und gar nicht mehr schalten müssen, kündigt Siry an. Wer dabei zu den frühen Kunden zählen möchte, muss allerdings viel Vertrauen haben: Für die ersten 250 Autos aus einer sogenannten "Signature Edition" verlangt Tesla bei Vertragsschluss eine Anzahlung von 50.000 Euro.
Bei der Auslieferung werden dann noch einmal 49.000 Euro plus Steuern fällig. So klettert der Preis weit über den von Porsche Boxster oder BMW Z4, die vielleicht annähernd mit dem Tesla vergleichbar wären. Den Lotus Elise gibt es schon für ein Drittel. Was man da spart, reicht locker für eine lebenslange Tankkarte – selbst wenn der Benzinpreis weiter klettert.
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