Von Tom Grünweg
London - Dass Elektroautos bei der derzeit laufenden British Motor Show hoch im Kurs stehen, ist eine Untertreibung: Ein Fünftel der Hallenfläche ist für saubere Stromer reserviert. In London ist das Interesse an derartigen Fahrzeugen besonders groß, weil ihre Besitzer keine Citymaut zahlen müssen. In Chelsea, Knightsbridge oder Notting Hill ist Strom statt Sprit deshalb bereits eine ernstzunehmende Alternative geworden.
Anderswo in Europa ist der Funke noch nicht so recht übergesprungen. "Das ist kein Wunder: Denn mit Freude am Fahren hat das, was einem hier geboten wird, bislang nur wenig zu tun", nörgelt Teslas Marketingchef Darryl Siry und lässt den Blick schweifen über all die kastrierten Kleinwagen auf der Messe, die bei vielen Autoliebhabern allenfalls als motorisierte Krankenfahrstühle durchgehen würden.
Neben Siry steht ein schnittiger weißer Roadster, der so wirkt, als hätte ihn die Messeleitung als abschreckendes Beispiel zwischen all den City-Stromern geparkt. Doch was wie ein getunter Lotus Elise aussieht, ist der viel gehypte Tesla Roadster, der in der Branche als erstes halbwegs alltagstaugliches Elektroauto und damit als Vorbote einer neuen Fahrzeuggeneration gilt: Er ist schön, er ist schnell, und er ist trotzdem sauber.
Der Schickeria-Liebling
Seine Energie schöpft der Flitzer nicht aus einem Benzintank, sondern aus fast 7000 kleinen Laptopakkus, die Tesla in einer versiegelten Kiste hinter den Sitzen verborgen hat. Sie machen den Sportwagen zum augenscheinlichen Trost für alle Vollgasfetischisten: "Autofahren darf auch in Zeiten der Klimakrise Spaß machen", sagt Siry. Zum Beweis zitiert er aus dem Datenblatt: 0 auf 100 in weniger als vier Sekunden, eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Und weiter als die von Tesla versprochenen 350 Kilometer kommt man mit einem vollgetankten Lamborghini bei Vollgas auch nicht.
Diese bislang einzigartige Mischung aus Genuss und gutem Gewissen hat den Roadster in den USA, vor allem an der Westküste, bereits zum Kultfahrzeug gemacht: Toyota Prius? Mini oder Smart? All diese Modemodelle kann man in Hollywood und Beverly Hills mittlerweile vergessen. Wer wirklich was auf sich hält, hat längst einen der beiden bislang weltweit einzigen Showrooms am Firmensitz in San Carlos oder in Santa Monica besucht, seine 60.000 Dollar angezahlt und protzt jetzt mit einem Platz auf der Warteliste, die bereits über tausend Namen lang ist.
Darunter sind allerdings kaum "Treehugger", wie der Amerikaner fundamentalistische Öko-Freaks nennt. "Sondern es sind vor allem Menschen, die genießen und trotzdem Verantwortung für ihre Welt übernehmen wollen." Und ein bisschen Wohlstand kann bei einem Grundpreis von 109.000 Dollar vermutlich auch nicht schaden.
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