Von Tom Grünweg
Highspeed auf der Datenautobahn
In der Praxis allerdings sieht der Wagen einfach verdammt gut aus: Als hätte man BMW-Designer Chris Bangle noch einmal einen Z4 und eine ungestörte Woche im Modellbau gegeben. Mit groben Schnitten wurde eine glatte Flunder aus dem virtuellen Tonblock geschält und dann mit ganz wenigen scharfen Schmissen akzentuiert.
Die Oberflächen sind glatt, die Haube ist lang und das Heck zieht sich zusammen wie einst bei der Corvette Stingray. Dazu gibt es eine Art Schuppenpanzer anstelle der Heckscheibe, tief in der Karosserie verborgene Leuchtschlitze, glühende Innereien als Bremslichter und kleine Kamerastummel anstelle von Rückspiegeln.
Weil zu einem Showcar auch ein Showeffekt gehört, hat sich Paulin einen ganz besonderen Türmechanismus einfallen lassen. Ähnlich wie bei Saabs AeroX-Konzept muss man erst das Dach mitsamt der Frontscheibe anheben, bevor man die beiden Flügeltüren öffnen kann. Damit erinnert Paulin an die startbereiten Düsenjäger auf einem Militärflughafen. Deren Cockpit war auch Vorbild für den Innenraum des "VR Concept". "Nach dem Motto 'weniger ist mehr' gibt es lediglich zwei Schalensitze, das Lenkrad, einen Schaltknüppel und ein paar Anzeigen", beschreibt der Designer seinen Entwurf, der den Fahrer zum Piloten machen und ins Zentrum des Geschehens rücken soll. Darüber verliert der Schwede blumige Worte, zum Antrieb allerdings sagt er nichts.
Was bitte, ist eine Porschette?
Paulin ist nicht der einzige Meister des schnellen Mausklicks in Schweden. Auch Bo Zolland hat sich bei Fachmagazinen und in Internetforen mit ausgesprochen hochwertigen Animationen attraktiver Autos einen Namen gemacht. Allerdings blickt er - anders als Paulin - nicht nach vorn, sondern in die Vergangenheit. Mal arrangiert er glühend heiße Hot-Rods auf virtuellen Rennstrecken, mal zeichnet er klassische Wohnwagen-Gespanne für die "Great Journey", und mal wunderschöne Pickups.
Auch sein jüngstes Projekt ist ein Blick in den Rückspiegel: Die Porschette, für die er einen neuen Porsche 911 mit einem alten VW Käfer gekreuzt hat. Anders als bei Paulin gibt es bei ihm sogar Motordaten: So schwebt ihm für die Porschette der 3,6-Liter-Boxermotor aus Stuttgart vor, der auch im alten Gewand muntere 250 Sachen schaffen sollte. Die Bitte nach einer Probefahrt allerdings kann auch Zolland nicht erfüllen: Die Porschette fährt bislang nur auf der Datenautobahn.
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