Detroit - Lange Jahre fuhren Elektrofahrzeuge nur mit Schwachstrom durch die Entwicklungsabteilungen der Autohersteller. Angesichts mangelnder Akkuleistungen und verlockender Antriebsalternativen wurden sie in eine entwicklungstechnische Sackgasse geschoben. Doch so langsam scheint sich das Blatt zu wenden: Auf der "North American International Auto Show" (Naias) in Detroit (bis 21. Januar) haben sich direkt oder indirekt eine ganze Reihe von Herstellern zur elektrischen Energie als Treibstoff der Zukunft bekannt.
"Das Auto von morgen fährt mit Strom", ist zum Beispiel Richard Wagoner überzeugt. Der Vorsitzende von General Motors lässt seinen Entwicklern dennoch alle Türen offen. Denn wie diese Energie erzeugt wird, will auch sein oberster Produktstratege Bob Lutz noch nicht festlegen: "Sicher ist nur, dass es künftig Strom sein wird, der die Räder antreibt."
Ein großer Baukasten
Wie ein Unternehmen sich diese Entscheidung möglichst lange offen halten und flexibel auf alle technischen und politischen Entwicklungen reagieren kann, zeigt das Unternehmen auf der Messe in Detroit mit der Chevrolet-Studie Volt, die aus einem neuen Technologiebaukasten stammt.
Herzstück des Viertürers ist laut Lutz ein rein elektrischer Antrieb mit einer neuen Lithium-Ionen-Batterie, die eine Reichweite von rund 60 Kilometern ermöglicht. "Das genügt etwa 60 Prozent der Amerikaner für ihren Weg zur Arbeit und zurück, bevor sie den Wagen daheim über Nacht an der Steckdose wieder aufladen können", sagt Lutz.
Wer mehr fahren möchte, kann unterwegs seinen eigenen Strom produzieren. Dafür verfügt der Volt über einen Dreizylinder-Benziner, der allerdings anders als bei einem konventionellen Hybridkonzept ausschließlich den Generator antreibt und deshalb nur 1,57 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll.
Dieser Motor ist laut Lutz austauschbar und damit die Variable im Konzept: "In Europa könnte man dafür auch einen Bio-Diesel nehmen, in Skandinavien würden wir vielleicht Bio-Ethanol und in Südamerika reinen Alkohol aus Zuckerrohr verwenden. Und falls es etwa in China tatsächlich die erste Wasserstoff-Infrastruktur gibt, könnte auch eine Brennstoffzelle den Strom erzeugen", erläutert Lutz die Flexibilität des Konzeptes.
© manager magazin Online 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH