Von Tom Grünweg
Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. So ganz gilt das nach dem 11. September und den folgenden Gesetzesänderungen sicher nicht mehr. Doch zumindest auf der Straße können die Amerikaner – innerhalb der Tempolimits – nach wie vor machen, was sie wollen.
Frei nach dem Motto "Erlaubt ist, was gefällt" verwandeln sie beim sogenannten "Customizing" unbehelligt von TÜV oder der örtlichen Zulassungsstelle preiswerte Sportwagen aus Japan oder spießige Mittelklasse-Limousinen aus Detroit in funkelnde Showstars. Sie rüsten ihre Geländewagen oder Pick-Ups zu Boulevard-Panzern auf und machen selbst vor US-Ikonen wie der Corvette, dem Mustang oder dem Charger nicht Halt.
Und das alles nur zu einem Zweck: Auffallen um jeden Preis. Diesen Trend verdeutlichte vor kurzem der Vollgasgipfel SEMA in der amerikanischen Spielermetropole Las Vegas, der die Motorshow in Essen (1. bis 10. Dezember) einmal mehr als Kindergarten für Möchtegern-Machos erscheinen ließ.
Dabei tunen die Amerikaner völlig anders als die Europäer und insbesondere die Deutschen. Was hierzulande zumindest entfernt der Verbesserung von Leistung, Beschleunigung, Straßenlage, Höchst- oder Kurvengeschwindigkeit dient, ist in Übersee wirklich nur noch Show.
"Welchen anderen Sinn haben im Radhaus schleifende 28-Zöller oder tonnenschwere Metall-Heckflügel?", fragt ein deutsche Veredler kritisch und schiebt sarkastisch hinterher: "Schließlich machen fein getunte Motoren und penibel abgestimmte Gewindefahrwerke wenig Sinn in einem Land, das Temposünder rigoros verfolgt und in dem die Straßen nur eine Richtung kennen - geradeaus."
Natürlich lässt nicht jeder Amerikaner seinen Wagen mit auffälligem Flügelwerk, martialischen Rädern, schillerndem Lack und neonbunter Beleuchtung zu einem individuellen Gesamtkunstwerk aufrüsten. Im Gegenteil: Anders als Europäer nehmen Peter, Paul und Mary ihr neues Auto meist vollständig "von der Stange" und verzichten sogar auf ihre persönliche Wunschausstattung. Wenn wenigstens die Farbe stimmt, kaufen sie das Auto in der Regel genau so, wie es beim Händler auf dem Hof steht.
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