mm.de: Wie haben Sie das Startkapital aufgebracht?
Wiesmann: Das kam weitgehend von mir. Ich habe bis 1994 zusammen mit meinem Schwiegervater die zweitgrößte Kinderbekleidungsfabrik in Deutschland, die Köhler & Wiesmann GmbH, geführt. Sie fertigte ohne eigenen Markennamen für zahlreiche Handelsketten, unter anderem Horten und Karstadt.
Friedhelm Wiesmann (r.) und sein Bruder Martin bauen und vertreiben den Wiesmann Roadster in ihrer Heimat, dem westfälischen Dülmen bei Münster.
Martin Wiesmann ist Diplomingenieur. Bis 1988 entwickelte er unter anderem Verdichter, Kolben- und Vakuumpumpen.
Friedhelm Wiesmann, mit dem manager-magazin.de sprach, ist Betriebswirt und leitete zuvor einen der größten deutschen Hersteller von Kindertextilien, Köhler & Wiesmann.
Wiesmann: Bevor wir professionell gearbeitet haben, investierten wir zwischen 800.000 und einer Million Mark. Die weiteren Kosten bis zur Serienreife, einschließlich Sicherheitstests und TÜV-Abnahme, liegen zwischen sechs und sieben Millionen Mark.
mm.de: Ihre Familie und Ihre Freunde haben Sie für verrückt erklärt.
Wiesmann: Das können Sie laut sagen. Rückblickend betrachtet sind wir recht blauäugig an die Sache herangegangen - aber euphorisch! Das, obwohl wir immer wieder auf fast unlösbare Probleme gestoßen sind.
mm.de: Alles nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum"? Sie als Alleinunternehmer, ihr Bruder als technischer Leiter und Testfahrer in Personalunion?
Wiesmann: Wie auch sonst? Von den Autokonzernen gab es ja keine Hilfestellung, die haben sich erstmal totgelacht über uns.
mm.de: Wie haben Sie den Wagen bekannt gemacht?
Wiesmann: Wir haben uns lange mit der Frage gequält, wie man ein No-Name-Produkt in einer gehobenen Käuferschicht bekannt machen könnte. Als das Auto fertig und funktionsfähig war, hatten wir unser Pulver verschossen, im doppelten Sinn: Auch das Geld war knapp. Damit schieden alle klassischen Werbemaßnahmen - Tageszeitungen, Plakate, Fernsehspots - aus. Schließlich kamen wir darauf, die Tennisszene als Medium zu nutzen. Die war in den frühen Neunzigern sehr populär, Boris Becker und Steffi Graf noch echte Stars.
Ich bin also mit unserem Auto zum Rothenbaum-Turnier nach Hamburg gefahren und hatte mir frühzeitig ein Zimmer im Interconti gesichert, in dem die meisten Spieler, Sponsoren und Medienvertreter absteigen. Für ein saftiges Trinkgeld habe ich den vordersten Parkplatz bekommen, direkt am Eingang. Anschließend habe ich die folgende Woche in der Hotellobby verbracht, immer in Sichtweite. So war ich immer dann "zufällig" zur Stelle, wenn sich jemand für das Auto zu interessieren schien. Ich konnte praktisch alle Tennisspieler zur Probefahrt gewinnen, Agassi, Sampras und so weiter.
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