Samstag, 18. November 2017

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Windstrom-Eiland in der Nordsee Was Berlin von Tennets künstlicher Windstrom-Insel hält

Ein Eiland mit Hafen und Landebahn, umgeben von Windrädern: So stellt sich Tennet die Zukunft der Offshore-Energieerzeugung vor

Sie soll sechs Quadratkilometer groß werden, einen Hafen, eine Landebahn und Wohngebäude für rund 2000 Menschen bieten und inmitten von Offshore-Windparks in der Nordsee errichtet werden: Vor kurzem präsentierte der niederländische Energieversorger Tennet ein Konzept für eine künstliche Insel, deren Größe allein schon abenteuerlich klingt.

Doch vom Größenwahn befallen ist der niederländische Konzern nicht. Tennets Konzept ist zwar noch Jahrzehnte von der Verwirklichung entfernt. Energie-Experten und Behörden können den Plänen jedoch durchaus etwas abgewinnen, wie Recherchen von manager-magazin.de zeigen.

Der niederländische Konzern verkabelt als Netzbetreiber deutsche Windparks im Meer mit den Stromnetzen an Land. Er spielt somit in Deutschlands Energiewende-Plänen eine wichtige Rolle. Doch Tennet tut sich schon heute schwer damit, schnell genug Leitungen von den Windrad-Farmen auf See zu den Stromnetzen an Land zu legen, da es dabei meist mehrere Kilometer zu überbrücken gilt.

Der Bau von hochseefesten Transformatoren-Plattformen, das Verlegen von Kabeln und die Wartung der Windräder sind zeitaufwendig, teuer und noch wenig erprobt. Zudem stockt der Ausbau der Stromnetze an Land für den Stromtransport ins Landesinnere. Tennet gerät deshalb mit den ehrgeizigen, von der Bundesregierung gewünschten Netzausbau-Plänen häufig in Verzug.

Eine Insel im seichten Wasser

Nun machen sich die Niederländer viele Gedanken darüber, wie sie die Offshore-Windparks der Zukunft effizienter betreiben könnten. Mitte Juni haben sie deshalb eine Vision für den Bau eines europäischen Stromsystems auf hoher See vorgestellt, und die basiert auf einer künstlichen Insel.

Diese Insel will Tennet auf der Doggerbank errichten, einer mehr als 300 Kilometer langen Untiefe in der Nordsee, deren Enden etwas mehr als 100 Kilometer von der dänischen und britischen Küste entfernt liegen.

Die seichtesten Stellen der Doggerbank sind nur 13 Meter tief, im Mittel sind es 30 Meter, und die Wahl des Ortes ist kein Zufall: Mehrere Energieversorger haben bereits Genehmigungen in der Tasche, auf der Doggerbank riesige Windparks zu errichten.

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