Samstag, 23. März 2019

Wirecard-Aktie knickt erneut ein Verwirrung um Asien-Manager lässt Wirecard-Aktie taumeln

Wirecard: Aktie schwankt stark

Die Aktien des Zahlungsabwicklers Wirecard Börsen-Chart zeigen bleiben extrem schwankungsanfällig: Die Papiere des mit schweren Vorwürfen konfrontierten Unternehmens pendelten am Mittwoch im frühen Handel zwischen Verlusten von 7,5 und etwa anderthalb Prozent. Vorbörslich waren die Papiere am frühen Morgen sogar zwischenzeitlich um 13,5 Prozent gefallen. Zuletzt kosteten sie mit 122,60 Euro 3,5 Prozent weniger als am Vortag.

Am Vorabend hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass der für Asien verantwortliche Accounting-Manager freigestellt wurde. Hintergrund ist eine in Singapur laufende Untersuchung von angeblichen Bilanzunregelmäßigkeiten von Wirecard-Mitarbeitern.

Am Mittwoch erklärte Wirecard Börsen-Chart zeigen auch, dass der entsprechende Mitarbeiter für das Unternehmen aber erreichbar sei. Damit trat Wirecard einer Meldung der "Financial Times (FT)" entgegen, die am Dienstagabend geschrieben hatte, dass Wirecard den Kontakt zu diesem Mitarbeiter verloren hätte.

Der Besessene: So tickt Wirecard-Chef Markus Braun

Nach dem Vorwurf finanzieller Unregelmäßigkeiten in Singapur sei der betreffende Manager beurlaubt. "Der Mitarbeiter ist freigestellt bis zum Ende der Untersuchung. Dies ist ein völlig normaler Prozess", sagte Wirecard-Chef Markus Braun am Dienstag zu Reuters. Der Mitarbeiter sei seit einigen Wochen von seiner Arbeit entbunden. Braun bekräftigte, er rechne damit, dass die Vorwürfe bald endgültig ausgeräumt würden, so dass das Tagesgeschäft wieder im Vordergrund stehe.

Ende Januar war durch einen Bericht der "Financial Times" ("FT") bekanntgeworden, dass ein Wirecard-Mitarbeiter in Singapur einen örtlichen Manager beschuldigt hatte, Bilanzen zu frisieren. Der Zeitungsbericht ging mit massiven Kursverlusten der Wirecard-Aktie einher. Wirecard hat die Anschuldigungen als unbegründet zurückgewiesen.

In Deutschland hegen Finanzaufsicht und Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass Marktteilnehmer den Aktienkurs vorsätzlich manipuliert haben.

"Das Ergebnis der internen Überprüfung war, dass die Vorwürfe ganz klar entkräftet wurden", sagte Braun am Dienstag. "Deswegen sind wir sehr optimistisch, was den Ausgang der externen Prüfung betrifft." Wirecard hatte die Rechtsanwaltskanzlei Rajah & Tann in Singapur beauftragt, die Vorwürfe aufzuklären. Braun bekräftigte, er rechne mit einem raschen Abschluss. "Das Ergebnis dieser Prüfung werden wir veröffentlichen."

Die "FT" hat über Wirecard in den vergangenen Wochen immer wieder kritische Berichte im Zusammenhang mit der Bilanzierung in Asien veröffentlicht. Wirecard hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Tags zuvor hatten sich die Wirecard-Aktien mit 136,50 Euro zeitweise wieder an der 200-Tage-Linie erholt, die bei Börsianern als Indikator für den längerfristigen Trend viel Beachtung findet. Hier nahmen die Anleger nach der jüngsten Erholung vom Zwölfmonatstief bei 86 Euro dann aber Gewinne mit.

Im Video: Wirecard-Chef Markus Braun im Interview

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Bild: Florian Generotzky für manager magazin

Der weltweite Boom von Online-Handel und Bezahlen per Smartphone-App befeuert seit Jahren das Wachstum von Wirecard und bescherte ihm im vergangenen Jahr den Aufstieg in den Dax. Der Betriebsgewinn soll im laufenden Jahr auf 740 bis 800 Millionen Euro steigen, nachdem er im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 568 Millionen Euro zugelegt hatte.

US-Kanzleien bereiten Anlegerklagen gegen Wirecard vor

Das Wachstum des Unternehmens aus dem Münchner Vorort Aschheim wurde in der Vergangenheit wiederholt von Vorwürfen unlauterer Geschäfte begleitet, die von Wirecard regelmäßig zurückgewiesen wurden. Von den heftigen Aktienkursreaktionen profitieren vor allem kurzfristige Investoren.

Auslöser der Turbulenzen waren mehrere Artikel der "Financial Times" über angebliche Bilanzfälschungen durch Mitarbeiter des IT-Konzerns in Singapur. Wirecard wies die Vorwürfe zwar bereits in der vergangenen Woche zunächst per Statement und dann in einer rasch anberaumten internationalen Telefonkonferenz entschieden zurück. Zudem geht das Unternehmen inzwischen juristisch gegen die Zeitung vor.

Auf die Vorwürfe gegen Wirecard, gegen die sich das Unternehmen ebenfalls wehrt, stützen sich mittlerweile mehrere auf Anleger-Klagen spezialisierte US-Anwaltskanzleien. Sie reichten in den USA Sammelklagen gegen Wirecard ein, um wegen der jüngsten Aktienkursverluste Schadenersatz zu erstreiten.

la/dpa/reuters

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