Freitag, 9. Dezember 2016

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Büroeinrichtung Warum Pflanzen im Büro die Produktivität von Angestellten steigern

Hier fehlt Grün: Büropflanzen machen Mitarbeiter nicht nur leistungsfähiger, sondern auch zufriedener, wie eine Studie jetzt feststellt

Ein Tisch, ein Stuhl, ein Laptop: Spartanisch eingerichtete Büros hemmen laut einer englischen Studie die Produktivität ihrer Insassen. Helfen sollen schon einfache Anpassungen - wie eine Pflanze auf dem Schreibtisch.

Hamburg - Grüne Büros mit Pflanzen machen Angestellte glücklicher und produktiver. Das ist das Ergebnis einer Studie, die englische, australische und niederländische Forscher jüngst im "Journal of Experimental Psychology" veröffentlicht haben. Die Wissenschaftler haben dabei erstmals Feldversuche in echten Büros unternommen, anstatt psychologische Tests mit Personen im Labor durchzuführen.

Das Ergebnis von anderthalb Jahren Forschung: In zuvor karg eingerichteten Büros hätte eine Pflanze pro Quadratmeter die Produktivität der Angestellten um bis zu 15 Prozent steigern können.

"Unsere Forschung deutet an, dass Investitionen in Pflanzen im Büro die Lebensqualität und Produktivität der Angestellten steigern können", wird Marlon Nieuwenhuis von der School of Psychology der Cardiff University in einer Mitteilung zitiert. Grün im Büro verbessere signifikant die Zufriedenheit am Arbeitsplatz; auch hielten Büroarbeiter ihre Luft für besser und sich selbst für konzentrierter, wenn sie eine Pflanze im Blickfeld hätten. Zudem schnitten sie besser bei Gedächtnistests und anderen psychologischen Untersuchungen ab.

Schnell und trotzdem fehlerfrei

Nieuwenhuis und Co-Autor Craig Knight von der Universität Exeter wollen mit ihren Ergebnissen eine neue Kultur der Büroeinrichtung fördern. "Seit Jahrzehnten haben Manager und Forscher die Annahme zu ihrer Bibel gemacht, dass Arbeiter leicht mit diktatorischer Kontrolle und fremden Entscheidungen zu motivieren sind", schreibt der "New Yorker" in einem Portrait über Knight. "Ein Überbleibsel dieses Glaubens existiert noch heute: Bürodesign liegt nach wie vor in der Hand von Managern und Beratern - statt bei den Angestellten selbst."

Knight will das ändern. Schon in früheren Studien haben sein Team und er nachgewiesen, dass Angestellte, die ihre Umgebung im Büro selbst verändern können, schneller arbeiten, ohne dabei mehr Fehler zu machen, und sich mächtiger und wirksamer fühlten. Wichtig seien auch persönliche Gegenstände am Arbeitsplatz: Sie verliehen diesem ein Gefühl der Dauerhaftigkeit.

"Weniger ist mehr" hat ausgedient

Pflanzen wiederum, so geht aus der aktuellen Studie hervor, sorgten dafür, dass Angestellte physisch, kognitiv und emotional stärker in ihre Arbeit hineingezogen würden - und damit noch engagierter arbeiteten. Vorhergehende Studien hätten zudem gezeigt, dass Bürobegrünung psychologischen Stress verringere, die Aufmerksamkeitsspanne verlängere und generell zum Wohlbefinden beitrage. Nun sei dies erstmals auch in einem Langzeitversuch in echten Büros bestätigt worden.

Die Ergebnisse ständen im Widerspruch zum vorherrschenden Dogma, nach dem Büros möglichst karg eingerichtet sein sollten. "Unsere Forschung stellt die weitverbreitete Meinung in Frage, dass weniger mehr ist", sagt Alex Haslam, ein weiterer Ko-Autor der Studie: "Manchmal ist weniger auch einfach weniger."

luk

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