Sonntag, 18. November 2018

Ex-Vorstände von Beiersdorf, Grohe und Theo Müller berufen Rama, Becel und mehr - mit diesem Team will KKR den Markt aufmischen

Milliardenmarkt: Unilever hat sich von seiner Margarine-Sparte getrennt. Nun versucht der Finanzinvestor KKR sein Glück - mit einem illustren Manager-Team

Company for old men: Der Finanzinvestor KKR setzt auf ein illustres Managementteam, um im Milliardenmarkt für Brotaufstriche zu punkten. Die frühere Margarinesparte von Unilever mit Marken wie Rama und Becel, die KKR zum Jahreswechsel für 6,83 Milliarden Euro losgeeist hat, wird künftig unter dem Namen Upfield vom früheren Grohe-Chef David Haines geführt.

Dabei sollte der Brite, 2016 im Streit um frisierte Bilanzen bei einer japanischen Tochter bei Grohe ausgeschieden, eigentlich den Aufsichtsrat anführen. Da der frühere Chef der Margarinesparte, Nicolas Liabeuf, seine Karriere jedoch lieber bei Unilever fortsetzen will, sprang Haines als CEO ein - und baut nun sein eigenes Team auf.

Als CFO hat er den kürzlich ausgeschiedenen Beiersdorf- Finanzchef Jesper Andersen zu Upfield gelotst, das Marketingressort übernimmt Uwe Sommer. Sommer, jahrelang Vorstand beim Schokoladenkonzern Lindt, hat ein unglückliches Gastspiel als Kurzzeit-Chef des Molkereikonzerns Theo Müller hinter sich und danach eigentlich verkündet, endgültig Schluss mit dem Managerleben zu machen.

Dass es ihn nun zu Upfield zieht, liegt weniger an seinem frisch erworbenen Know-how aus der Molkereiindustrie, sondern viel mehr an der Überzeugungskraft seines neuen Chefs. Die beiden sind Nachbarn auf der Ferieninsel Mallorca. Ihnen winkt ein letzter großer Deal, wenn Upfield eines Tages von KKR an die Börse gebracht oder weiterverkauft wird.

Bis dahin gibt es jedoch noch viel zu tun. Zwar ist inzwischen die Freigabe seitens der Wettbewerbsbehörden erfolgt und Upfield seit Anfang Juli auch rechtlich eigenständig, aber noch hat der Weltmarktführer für pflanzliche Brotaufstriche nicht einmal eigene Büros. Wunschkandidat für den künftigen Sitz der Konzernzentrale ist Amsterdam.

Warum sich Unilever von seiner Keimzelle trennte

Bis dahin arbeiten die 3500 Mitarbeiter weiterhin in ihren angestammten Räumlichkeiten bei Unilever. Neben der Suche nach einem Firmensitz muss Haines eigene Zentralbereiche wie Vertrieb und Personal aufbauen, auch nach einem COO wird noch gefahndet. Den Posten hat übergangsweise der KKR-Manager Gordon von Bretten übernommen. Unilever hat sich von der Margarinesparte, der Keimzelle des britisch-niederländischen Konzerns, getrennt, um sich nach dem abgewehrten Übernahmeversuch durch Warren Buffet und Kraft Heinz für 143 Milliarden Dollar stärker auf Kosmetik und Wasch- und Reinigungsmittel zu konzentrieren.

Die rund 3 Milliarden Umsatz schwere Margarinesparte, die in 95 Ländern operiert, gehörte zu den margenschwächsten Geschäftsbereichen. Die Nachfrage war in vielen Regionen zuletzt rückläufig. Diesen Trend müssen Haines und seine altgedienten Mannen nun umkehren.

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