Mittwoch, 24. August 2016

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Der Hundetrainer, der auch Manager coacht "Es geht nicht um den Pfiff, sondern um das Prinzip dahinter"

Ulv Philipper / Autor "Dog Management"

mm.de: Sie haben vor 26 Jahren als Hundetrainer begonnen, heute coachen Sie beides: Besitzer von Dackeln und Schäferhunden, aber auch Führungskräfte und Angestellte. Wann ist Ihnen Mal aufgefallen, dass man Rückschlüsse von der Hundeerziehung auf das Führen von Menschen machen kann?

Ulv Philipper: Es gab nicht den Schlüsselmoment, das war ein Prozess. Mir ist aufgefallen, dass während der Seminare ständig die Perspektive gewechselt hat: Eben ging es noch um den Hund, dann fiel ein Stichwort, und schon ging es um den Partner, die Kinder, den Job.

mm.de: Was ist der größte Fehler im Umgang mit Hunden und Menschen?

Philipper: Wenn Führung auf das Prinzip von Befehl und Gehorsam aufgebaut ist. Das funktioniert beim Militär, aber auch nur beim Militär. Komisch, dass man von einem Hund immer noch erwartet, dass er auf Anhieb gehorcht, wo man bei Menschen längst begriffen hat, dass man mit Kommandos nicht weit kommt. Eine gute Führungsperson muss sich auf Augenhöhe begeben, mit den Mitarbeitern oder dem Hund, ganz egal, nur dann kann er die Bedürfnisse seines Gegenübers verstehen.

mm.de: Moment, jetzt vergleichen Sie aber Hunde mit Menschen.

Philipper: Warum nicht? Seit Jahrzehnten wird behauptet: "Der Hund ist ein Tier, der Mensch ist ein Mensch, das kann man nicht vergleichen." Aber vergleichen heißt doch nicht gleichmachen. Hunde und Menschen haben viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: Beide sind Säugetiere, beide sind gewohnheits- und freiheitsliebend, und beide haben überhaupt keine Lust, fremdbestimmt zu werden.

mm.de: Es gibt durchaus Menschen, die kein Problem damit haben, wenn der Chef sagt, was sie machen sollen.

Philipper: Genau das ist ja das Problem, dass immer noch Tausende von Führungskräften davon ausgehen, dass sie es mit Arbeitnehmern zu tun haben, die gern kontrolliert werden, statt zu erkennen, was viel naheliegender wäre, nämlich, dass diese - genau wie sie selbst - keine Lust haben, bevormundet zu werden. Es ist der Kardinalfehler schlechthin, das Bedürfnis nach Struktur mit dem Wunsch nach Kontrolle zu verwechseln.

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