Montag, 18. Februar 2019

Kleiner als ein Fußballtor, aber mit Küche und Bad Sind Mini-Häuser die Zukunft des Wohnens?

Tiny Houses: Wie Mini-Häuser Raumnot lindern könnten
Alexander Heinl/dpa-tmn

2. Teil: Bedeutet mehr Wohnfläche überhaupt mehr Lebensqualität?

Der Anhänger unter dem Holzbau regt die Träume an. Man könnte überall hinziehen, wo man sich aufhalten möchte, würden bloß die Regelungen in Deutschland gelockert. Die Grundfläche der Tiny Houses ist in der Regel nicht größer als ein Parkplatz. Warum im Sommer nicht an einem See leben? Oder mitten im Kornfeld oder in den Bergen? Oder man besucht seine Freunde übers das Wochenende im eigenen Haus.

Das Zukunftsinstitut hat sich mit der Frage beschäftigt, wie viele Quadratmeter ein Mensch heute und morgen braucht. In einer aktuellen Wohnstudie kommen die Experten zum Schluss: Wohnfläche alleine bedeutet heute nicht automatisch Lebensqualität. "Entscheidend ist vielmehr die Qualität der Nachbarschaft und das Angebot der Shared Spaces" - also der Gemeinschaftsräume wie Küche, Bibliothek, Garten oder Fitnessraum für alle Bewohner eines Hauses. Angesichts von immer mehr Single-Haushalten sei es auch ein Weg gegen die Vereinsamung.

Diese Idee steht auch hinter dem Berliner Tiny House. Die Modell-Wohnfläche auf dem Campus dient als Illustrierung, ein Jahr ist sie für Architekturinteressierte zugänglich. Geplant ist aber der Kauf und Ausbau eines Gebäudes für 100-Euro-Appartments neben normal großen Wohnungen für Menschen mit höherem Einkommen. Hier sollen sich alle Parteien Gemeinschaftsräume teilen.

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Ein Konzept für modernes Wohnen, so nennt es Jan Fritsche. "Es soll ein Haus für die ganze Gesellschaft werden. Auch für alle, die zentral leben wollen, es sich aber eigentlich nicht leisten können. Schon heute sind bestimmte Leute vom Zugang zum Wohnraum in der Stadt ausgeschlossen." Mit zunehmender Tendenz.

Viele Architekten setzen sich derzeit mit Ideen für winzige Häuser und Wohnungen in den Großstädten auseinander. Warum die kleinen Hütten nicht auf Hochhausdächer setzen? Laut einer Studie der Universität Darmstadt aus dem Jahr 2016 könnten deutschlandweit 1,5 Millionen zusätzliche Wohnungen geschaffen werden, wenn man die bestehenden Mehrfamilienhäuser mit drei Wohnungen und mehr der Baujahre 1950 bis 1989 aufstockt.

Nicht nur die Baubranche interessiert sich für diese Möglichkeiten der Stadtentwicklung. Auch die Möbelindustrie hat den Trend längst erkannt und beschäftigt sich mit der Idee vom Wohnen auf immer kleineren Grundflächen. Denn der Trend zur Urbanisierung und die wachsenden Städte mit teurer werdendem Wohnraum machen nicht nur grundlegend neue Wohnkonzepte nötig - sondern auch passende Möbel.

Die weltgrößte Messe der Zulieferer der Möbelindustrie und des Innenausbaus, die Interzum, widmete dem kleinen und beweglichen Wohnraum 2017 sogar eine Sonderausstellungsfläche. Hier ging es zum Beispiel um Innovationen für Beschläge. Die kleinen, vom Möbelkäufer meist wenig beachteten Teile können dabei helfen, das Platzangebot eines Zimmers besser auszunutzen - etwa, indem Ecken oder Nischen besser zugänglich für Regalauszüge werden. Nur so lassen sich 6,4 Quadratmeter Wohnfläche auch vollständig ausnutzen.

Simone Andrea Mayer, dpa

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