Mittwoch, 19. September 2018

Exodus bei Top-Managern geht weiter Es wird einsam um Tesla-Chef Elon Musk

Durchblick verloren? Joints lösen die Probleme nicht, sondern verschrecken Investoren und immer mehr Top-Manager, die immer öfter dem Tesla-Chef den Rücken zudrehen

Die Kommunikationschefin Sarah O'Brien ging am 8. September. Personalchefin Gabrielle Toledano quittierte kurz darauf Dienst bei Tesla. Teslas Chefbuchhalter schmiss nahezu zeitgleich hin - nach nur einem Monat in dem Job. Jetzt sucht aus dem Finanzressort mit Justin McAnear ein weiterer hochrangiger Manager das Weite, berichtet Bloomberg. McAnear zählt zu den Top-Führungskräften im Finanzressort von Deepak Ahuja. McAnear bestätigte gegenüber dem TV-Sender CNBC, dass am 7. Oktober definitiv Schluss sei.

Und auch Shen Jackson, Teslas Direktor für Fertigungstechnik, der sich im April eine Auszeit für die Familie genommen hatte, wird nicht mehr in das Unternehmen zurückkehren, berichtet Bloomberg.

Und Tesla-Chef Elon Musk? Der Exodus von Führungskräften scheint ihn nicht sonderlich zu treffen. Aber es gibt ja noch den einen oder anderen Radiosender, wo er lamentieren und bei laufender Kamera einen Joint rauchen kann.

Cool?

Viele finden das Verhalten des egozentrischen Managers schon lange nicht mehr cool. Anhaltende Beleidigungen in der Öffentlichkeit, das Eingeständnis von Schlafmittelkonsum, Joints vor laufender Kamera - derlei Eskapaden können vielleicht Rabauken und Möchte-Gerns imponieren.

Wenn aber immer mehr Führungskräfte Fersengeld geben, der Chef mal nonchalant über den Börsenrückzug parliert - sich dafür gleich gut ein halbes Dutzend Klagen einfängt - und mit seinen Produktionsversprechen ohnehin immer wieder hintenansteht, sind das Fakten, die Investoren verstören und zugleich jene Zocker am Aktienmarkt anziehen, über die Elon Musk so oft beleidigend herzieht.

"Instabiles Unternehmen" - Musk-Befürworter an Wall Street wenden sich ab

Die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen ist bei Tagesausschlägen von bis zu 10 Prozent und mehr tatsächlich zu einem Spielball geworden und mittlerweile wieder weit von ihrem Hoch bei 380 Dollar entfernt. Selbst einzelne große Fürsprecher von Elon Musk an der Wall Street stuften wegen seiner anhaltenden "Possen" das Papier zuletzt ab und bezeichneten es als "nicht mehr investierbar", wie Bloomberg schreibt.

"Sie haben in den letzten Monaten eine enorme Anzahl an Führungskräften verloren", sagt Analyst Romit Shah von Nomura. Gepaart mit Musks "unberechenbarem Verhalten" hinterlasse das am Markt den Eindruck eines "instabilen" Unternehmens.

Das scheinen mittlerweile auch die Investoren am Bondmarkt so zu sehen, der die Eskapaden von Tesla-Chef Elon Musk lange nicht so nervös nachzeichnete für die Tesla-Aktie selbst. Wenn hier die Investoren das Vertrauen verlieren, sollte das Musk allerdings ein ernsthaftes Alarmzeichen sein.

Alles andere wäre pure Lust am Untergang.

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