Dienstag, 20. November 2018

Weniger Gewinn, doch mehr Dividende Warum Siemens trotz Kraftwerk-Krise besser dasteht als GE

Siemens: Der Gewinn hat sich halbiert, doch der Umbau im Industriegeschäft kommt voran

Die Krise in der Kraftwerksparte macht der gesamten Branche zu schaffen - auch Siemens. Doch anders als beim krisengeschüttelten US-Konkurrenten General Electric laufen die übrigen Geschäfte bei den Münchnern rund. Vor allem ein Geschäftsbereich kann punkten, mit dem Siemens noch viel vor hat.

Die Siemens-Kraftwerksparte bleibt zwar das Sorgenkind des Konzerns. Überkapazitäten bei Gasturbinen und der Trend hin zu erneuerbaren Energien machen der gesamten Branche schwer zu schaffen - auch die Münchner mussten deshalb Tausende Stellen streichen. Der Umbau kostet und ließ den Gewinn im vierten Quartal um nahezu die Hälfte einbrechen.

681 Millionen Euro verdiente Siemens in den letzten drei Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres unterm Strich - nach 1,25 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Der Umbau in der Power & Gas (PG) genannten Sparte belastete Siemens Börsen-Chart zeigen im vierten Quartal mit 301 Millionen Euro. Ein Gros der Kosten für den Personalabbau in Deutschland sei damit erledigt, hieß es.

Siemens will bei Power & Gas die Kosten um 500 Millionen Euro senken

"Dass bei PG Handlungsbedarf besteht, haben wir frühzeitig erkannt", sagte Finanzchef Ralf Thomas am Donnerstag bei der Vorlage der Geschäftszahlen. "Wir haben Maßnahmen eingeleitet, um weltweit Kosten in Höhe von 500 Millionen Euro herauszunehmen." Die Überkapazitäten belasten die gesamte Branche. Der US-Konkurrent General Electric befindet sich auch aus diesem Grund seit Monaten im freien Fall.


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Damit verglichen steht der sich im Umbruch befindende Münchner Mischkonzern auch im abgelaufenen Geschäftsjahr grundsolide da. Der Umsatz im Gesamtjahr 2018 lag mit 83,04 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahr. Der Gewinn nach Steuern stieg um 26 Millionen Euro auf 6,12 Milliarden.

Kaeser: "Wir haben die Prognose voll erreicht"

"Wir haben wieder geliefert, was wir versprochen haben, und unsere zum Halbjahr angehobene Jahresprognose voll erreicht", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Auch im kommenden Geschäftsjahr erwarte der Konzern einen leichten Umsatzzuwachs. In allen Geschäftsbereichen bis auf die Kraftwerksparte wird ein Wachstum deutlich vor den Wettbewerbern erwartet, hieß es aus Konzernkreisen am Rande der Präsentation.

Bahngeschäft steigert Ergebnis deutlich

Besonderes Aushängeschild bleibt das Bahngeschäft, das künftig mit dem französischen Konkurrenten Alstom zusammengelegt werden soll. Auch dank eines Großauftrags der Bahn von rund 600 Millionen Euro stieg das Ergebnis im vierten Quartal um 23 Prozent auf 236 Millionen Euro. "Mit 2,3 Milliarden Euro erzielte Mobility im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz", sagte Thomas.

Auch beim Umbau des Gesamtkonzerns komme Siemens gut voran, sagte Kaeser. Der Konzern entwickelt sich derzeit zunehmend zu einer Holding mit drei operativen Einheiten, die eigenständiger werden und mehr Verantwortung bekommen sollen. Drei weitere Einheiten hat Siemens an die Börse gebracht oder will das noch tun. Für die Bahnfusion mit Alstom steht noch die Zusage der EU-Kommission aus.

la/reuters/dpa

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