Dienstag, 17. Oktober 2017

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Appetit auf Ästhetik Das happige Design der Sterne-Restaurants

Happiges Design: Die neue Opulenz der Sterne-Restaurants
Fotos
Pierre Monetta

Dass Restaurants uns allein durch ihre Küche den Atem rauben, ist inzwischen die Ausnahme. Im Wettbewerb wird ein spektakuläres Ambiente immer wichtiger - von renommierten Designern und Künstlern kreiert. Treibende Kraft dabei sind oft die Köche selbst.

Der Feinschmecker
Heft 11/2017

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Ausgetretene Bodendielen, blanke Holztische, ein Sammelsurium an Stühlen - lässiger kann ein Restaurant kaum daherkommen als "The Sportsman" im englischen Seesalter an der Küste von Kent. Und doch wurde das Lokal, das selbst Küchenchef Stephen Harris als "schäbigen, heruntergekommenen Pub am Meer" bezeichnet, im Sommer bei den National Restaurant Awards zum "Best Restaurant in the UK" gekürt. Eine Auszeichnung, die jene Geschmackspuristen bestätigt, für die gute Küche kein Chichi braucht, mit anderen Worten: kein Silberbesteck, kein Biskuit-Porzellan, kein Restaurant-Design.

Tatsächlich aber sind Erfolge wie die des "Sportsman" heute die Ausnahme. Durch den unaufhaltsamen Aufstieg der Social Media hat das Thema Restaurant-Design in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Denn über Facebook und Instagram werden nicht nur Fotos von Gerichten in alle Welt gepostet, sondern auch Ambiente-Shots. Menschen identifizieren sich heute mehr denn je mit den Lokalen, die sie besuchen, auch optisch.

Vor allem im harten Wettbewerb, der in den Food-Metropolen dieser Welt herrscht, ist der Look eines Restaurants wesentliches Instrument, um aus der Masse der Neueröffnungen herauszuragen und sich im Markt zu profilieren, möglichst zur unverwechselbaren Marke zu werden.

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Was aber macht gutes Restaurant-Design aus? "Es muss in den Marketing-Mix passen und die Philosophie des Hauses und der Küche physisch anschaulich machen", sagt Marco Rebora, Gründer der alljährlich im Herbst in London verliehenen Restaurant & Bar Design Awards, die den wohl besten Überblick aktueller Trends bieten. "Gutes Design sollte kein kurzlebiges Statement darstellen, sondern auf lange Sicht angelegt sein. Es ist die Visitenkarte eines Restaurants, in den Augen der Gäste ein Synonym für das Erlebnis, das sie sich versprechen."

Kreatives Restaurantdesign beschränkt sich längst nicht mehr auf das Mobiliar, sondern begreift den Raum als Ganzes. Natürliche Materialien, allen voran Holz, Glas und Naturstein sind heute gefragt und werden innovativ eingesetzt, zum Beispiel für die Gestaltung von dreidimensionalen Decken, die Bewegung in einen Raum bringen.

Generell ist derzeit alles gefragt, was für Leben im Restaurant sorgt, allen voran lange Bartresen, offene Showküchen und communal tables, also große Tafeln, an denen einander fremde Gäste nebeneinander platziert werden - wie bei einer privaten Einladung oder am guten alten Wirtshaustisch. Solch ein Tisch steht in Yotam Ottolenghis "Nopi" in London ebenso wie im New Yorker "Momofuku", in Kevin Fehlings "The Table" in Hamburg ebenso wie bei Peter Maria Schnurr im Leipziger "Falco".

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