Sonntag, 23. April 2017

Wissenschaft So macht Geld richtig glücklich

Fünf Geldregeln: So kauft man sich glücklich
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Geld macht nicht glücklich. Wirklich nicht? Die Wissenschaftler Michael Norton und Elizabeth Dunn haben sich mit der Frage beschäftigt, wie man Geld effektiv in Glück umwandeln kann. Ihre Antworten sind auch für Firmen hochinteressant.

mm: Sagen wir, ich hätte unverhofft 1000 Euro übrig. Wie kann ich mir damit das Maximum an Glück kaufen?

Norton: Die meisten Leute denken in so einer Situation als erstes daran, sich irgendwelche Dinge für den eigenen Gebrauch anzuschaffen, etwas physisch greifbares: Ein neues Smartphone oder einen neuen Fernseher. Aber in unseren Forschungen hat sich herausgestellt: Das macht uns zwar nicht unglücklich, aber leider auch nicht sehr viel glücklicher. Das liegt an zwei Dingen: Erstens daran, dass es Gegenstände sind, zweitens daran, dass wir sie für uns selbst kaufen. Der einfachste Weg, mit Geld Glück zu kaufen, ist ein anderer: Man kauft Erlebnisse, und wenn man es noch besser machen will, kauft man nichts für sich selbst, sondern etwas für andere.

mm: Warum sind Erlebnisse besser als Dinge?

Norton: Wir neigen dazu, zu glauben, dass Dinge werthaltiger sind als Erlebnisse, weil wir sie auf Dauer besitzen. Erlebnisse wie zum Beispiel Reisen sind einmalig und irgendwann unwiederbringlich vorbei. Also kauft man lieber ein Haus, ein Auto, einen Fernseher. Aber was man nicht bedenkt: Sobald man etwas gekauft hat, steigen die Begehrlichkeiten weiter. Man kann das, was man hat, mit dem vergleichen, was es sonst noch gibt: Das noch tollere Auto, den neueren Fernseher, das größere Haus. Das, was man hat, ist dann nicht mehr das Tollste, was es gibt. Wenn man eine Reise macht, ist das unvergleichlich. Man ist deshalb zufriedener damit, kann sich mit Freunden darüber austauschen, denkt gern daran zurück. Das ist etwas Bleibendes.

mm: Sie schreiben, dass es auch glücklich macht, sich etwas Besonderes zu kaufen - indem man etwa im Alltag auf den geliebten Premiumkaffee verzichtet und ihn nur in längeren Abständen kauft, aber dann zelebriert. Ist das wirklich nötig?

Norton: Das ist wirklich ein Fluch: Was immer wir mögen, davon wollen wir gerne mehr haben. Und wenn wir dann mehr davon haben, mögen wir es nicht mehr ganz so gern. Wir hören nicht auf, es zu mögen, aber es ist einfach nicht mehr ganz so toll. Es ist traurig, dass wir diesen Überdruss verspüren. Aber wir können diesen Effekt vermeiden, indem wir von Zeit zu Zeit eine kleine Pause einlegen.

mm: Ein anderes Prinzip, das Sie erwähnen, ist es, Geld in Zeit zu konvertieren. Zeit haben wir doch alle gleich viel. Ist es da nicht besser, einfach das zu tun und zu arbeiten, was man gerne tut, statt sich Freizeit zu kaufen?

Norton: Ja, die Idee ist gut. Leider funktioniert sie nicht. Wenn man sich anschaut, was Leute mit ihrer Zeit machen, sieht man: Sie setzen sie nicht optimal ein, was das Glücksempfinden betrifft. Die meisten Leute glauben, dass sie endlich das tun könnten, was sie glücklich macht, wenn sie nur reich genug wären - weil sie es sich dann leisten können. Das ist aber nicht so. Reiche Leute genießen ihre Zeit tendenziell eher weniger, weil sie damit beschäftigt sind, Geld zu verdienen - oft mit Tätigkeiten, die sie eben nicht glücklich machen.

mm: Das ist ja traurig für die armen Reichen. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gab allerdings zu bedenken: Geld allein macht nicht glücklich, aber ich heule lieber in einem Taxi als in der Straßenbahn.

Norton: Geld macht uns ja auch nicht unglücklich. Es wimmelt nicht gerade von verzweifelten Millionären. Aber es macht uns eben auch nicht so glücklich, wie wir es erwarten. Es ist viel leichter, aus dem Geld, das man hat, das Optimum am Glück herauszuholen, als zu versuchen, noch mehr Geld und noch mehr Geld zu verdienen, das die Erwartungen, die man daran hat, niemals erfüllt. Wir wissen alle, dass wir mehr Zeit mit Tätigkeiten zubringen sollen, die uns erfüllen, die wir genießen können. Aber wir neigen dazu, das zu vergessen. Wir kaufen uns für unser Geld nicht die tollste Zeit, die wir erleben können, sondern oft das genaue Gegenteil.

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