Samstag, 3. Dezember 2016

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Das Comeback der 50er Jahre Diese Designklassiker liegen hoch im Kurs

Re-Editionen: Von gestern für immer
Fotos
Ligne Roset

Re-Editionen: Die Möbelbranche macht das Damals zum Heute und belebt Designklassiker neu. Vor allem Stücke der 50er Jahre feiern ein Comeback.

Sie steht auf drei Beinen, zart und langgliedrig - wie ein Grashüpfer sieht sie aus und heißt auch so. Die Stehleuchte "Grasshopper" schmückt dieser Tage die Schaufenster feiner Möbelgeschäfte. Vor knapp 80 Jahren hat die Schwedin Greta Magnusson Grossman sie entworfen. Dann verschwand sie vom Markt. Nun stellt der dänische Möbelbauer Gubi das Designstück wieder her.

"Ich lege ausschließlich Möbel neu auf, die für die Gegenwart relevant sind, die heute genau so entworfen werden könnten", sagt Firmenchef Jacob Gubi. "Ich bin nicht nostalgisch", erklärt er. Wichtig sei für ihn allein, dass die Entwürfe für ihre Zeit innovativ waren. Und Grossmans Werk sei definitiv wegweisend gewesen. Während des Zweiten Weltkriegs verließ die Schwedin ihre Heimat, wanderte nach Amerika aus und gestaltete dort Häuser und Möbel für die High Society, richtete die Villen von Ingrid Bergman und Frank Sinatra ein. "Grossman beherrschte die Kunst, amerikanischen Luxus mit skandinavischer Einfachheit zu kombinieren", sagt Gubi.

Jahrelang recherchierte er die Geschichte der Designerin, nachdem er in einem Buch die "Grasshopper" entdeckt hatte. Zuerst liefen seine Anfragen ins Leere. Gestalter, die nicht bei einem großen Hersteller unter Vertrag standen, wurden schnell vergessen. Doch Gubi blieb dran und spürte schließlich in New York einen Galeristen auf, mit dem er über die Rechte an der Leuchte und anderen Grossman-Möbeln verhandeln konnte. "Gutes Design", so Gubi, "braucht eine Geschichte."

Dauerbrenner von Thonet

Die liefern derzeit viele Möbelstücke wieder - Klassiker liegen im Trend. Dazu zählen Dauerbrenner wie der Bistrostuhl "214" von Thonet, der seit über 150 Jahren produziert wird, ebenso wie der berühmte "Eames Lounge Chair" von Vitra aus dem Jahr 1956 oder das Polstermöbelsystem "Conseta" von Cor aus den 60ern. Besonders gefragt sind indes Objekte, die lange Zeit vom Markt verschwunden waren und jetzt ein Comeback feiern.

Gefunden in
Splendid
November 2015

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Der italienische Möbelhersteller Molteni etwa erweitert kontinuierlich seine Kollektion um Stücke des Designers und Architekten Gio Ponti - vor allem solche aus den 50er Jahren. Ligne Roset bringt seit fünf Jahren Neuauflagen von Entwürfen des Franzosen Pierre Paulin heraus. Der Gestaltungspionier richtete unter anderem den Elysée-Palast für die Präsidenten Georges Pompidou und François Mitterrand ein. Knapp 60 seiner Möbelstücke erweckte Ligne Roset zu neuem Leben, darunter ganz aktuell Werke, die im Frühjahr 1953 auf der Pariser Ausstellung Arts Ménagers vorgestellt wurden - wie das berühmte Daybed.

Durchdachte, elegante Holzmöbel wie diese Liege gehörten für Paulin zur idealen Einrichtung junger Familien in der Nachkriegszeit. Das Daybed wurde zu einer Ikone seines Jahrzehnts, überdauerte die Zeit und passt heute wieder in jede moderne Wohnung.

Kurz bevor Paulin 2009 starb, wünschte er sich von Michel Roset, dass dieser seine Möbel neu auflegen möge. Und das tat der Firmenchef dann auch. Gemeinsam mit Paulins Frau und Sohn wählte er dessen bedeutendste Entwürfe aus den 50er Jahren aus, die nun unter der Marke Ligne Roset wieder zu haben sind. Es sind die Stücke, die schon vor über 60 Jahren Maßstäbe setzten und Paulin berühmt machten.

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