Dienstag, 20. November 2018

Renditemaschine mit Motorschaden Fresenius und FMC in Not - warum Investoren fliehen

Ab in die Notaufnahme: Fresenius droht seinen Ruf als Renditemaschine zu verlieren

Überraschend schlecht gelaufene Geschäfte in den Geschäftsbereichen Dialyse und Krankenhaus haben die Anleger von Fresenius und deren Tochter FMC am Mittwoch schwer geschockt. Dass der Medizinkonzern Fresenius Börsen-Chart zeigen seine Jahresziele nach unten hin korrigierte und sie nun am unteren Ende der bisherigen Spanne für Umsatz und Ergebnis sieht, sorgte bereits für Unmut. Noch verstimmter jedoch reagierten Investoren auf die gekappten Ziele der Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care Börsen-Chart zeigen (FMC).

Die Gewinnwarnung und Prognosesenkung der beiden Unternehmen wiegen umso schwerer, weil Fresenius und FMC bislang als besonders verlässliche Konzerne galten, die eher konservativ bilanzieren, ihre Gewinnziele regelmäßig erfüllen und ihre Dividenden über Jahre hinweg stetig steigern. Fresenius galt über Jahre als gut geölte Übernahmemaschine mit wachsenden Umsätzen und Gewinnen und wegen seiner regelmäßig steigenden Ausschüttungen als Dividenden-Aristokrat. Dieser Ruf gerät nun ins Wanken.

Rückzug von Akorn-Übernahme - doch Erholungsrally verpufft wieder

Die Fresenius-Papiere, die zu Monatsbeginn noch deutlich davon profitiert hatten, dass ein US-Gericht die Absage der Bad Homburger zur Übernahme des Arzneiherstellers Akorn als gerechtfertigt ansah, brachen bereits zum Handelsauftakt ein. Gegen Mittag verloren sie 11,51 Prozent auf 61,02 Euro, womit die Oktober-Gewinne sich wieder in Luft aufgelöst haben. Bei zeitweise 60,26 Euro kosteten sie so wenig wie zuletzt Ende März. Im bisherigen Jahresverlauf steht nun ein Minus von etwas mehr als 6 Prozent zu Buche.

Hintergrund-Report Fresenius: Chronik eines Vier-Milliarden-Desasters

FMC verliert knapp ein Fünftel seines Börsenwertes - 4 Milliarden Euro weg

Die FMC-Aktien büßten am Mittwoch zur Mittagszeit als Schlusslicht im Dax sogar knapp 18 Prozent auf 70,34 Euro ein. Am späteren Vormittag waren sie noch bis auf 69 Euro abgesackt, womit sie den tiefsten Stand seit drei Jahren erreichten und im bisherigen Jahresverlauf nun rund ein Fünftel an Wert eingebüßt haben.

Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen gab gebeutelt vom heftigen Kursverfall beider Unternehmen zuletzt um 0,55 Prozent nach. Sein aktuelles Jahresminus liegt damit bei etwas mehr als 9 Prozent.

Kurssturz bei Dialysespezialist FMC: 4 Milliarden Euro Börsenwert lösen sich binnen weniger Stunden in Luft auf
Fresenius Medical Care
Kurssturz bei Dialysespezialist FMC: 4 Milliarden Euro Börsenwert lösen sich binnen weniger Stunden in Luft auf

Ein Händler zeigte sich von den drastischen Kursverlusten bei Fresenius und FMC nicht sonderlich überrascht. Analysten hätten im dritten Quartal mit besser laufenden Geschäften gerechnet und die bisherige Jahresprognose des Dialysekonzerns als konservativ erachtet. Umso größer sei nun die Enttäuschung.

Probleme der Klinikkette Helios

Goldman-Analystin Veronika Dubajova hob nicht nur die schwächer als erwartete Umsatzentwicklung beider Unternehmen hervor sowie den künftig auf die Klinikkette Helios zukommenden regulatorischen Gegenwind in Deutschland. "Die nun erwarteten Jahresziele für die Umsätze und den Nettogewinn 2018 liegen nun nicht nur am Ende der Unternehmenszielspanne, sondern auch etwa 2 bis 3 Prozent unter den aktuellen durchschnittlichen Analystenschätzungen", gab sie zudem zu bedenken.

Bei FMC hätten vor allem die schwächer als erwarteten US-Umsätze samt der Geschäftsentwicklung in den Vereinigten Staaten enttäuscht.

Berenberg-Analyst Tom Jones sah bei FMC ebenfalls im US-Geschäft die Hauptschwäche. Die allgemeine Geschäftsentwicklung im dritten Quartal hingegen beurteilte er als "weitgehend wie erwartet". Nach der Gewinn- und Umsatzwarnung für das Gesamtjahr sieht er daher vor allem ein schwaches viertes Quartal auf den Dialysespezialisten zukommen. Zudem dürften Investoren nun auch die Wachstumserwartungen für 2019 in Frage stellen, glaubt er.

Der 2019er Wachstumsausblick für Fresenius sei wegen FMC, aber auch wegen Helios nun unsicher, schrieb Jones. Denn die Probleme der beiden Bereiche dürften sich auch im neuen Jahr fortsetzen. Dennoch hält er das Fresenius-Geschäft für "extrem gut geführt". Es habe ein ums andere Mal bewiesen, dass es hervorragend befähigt sei, mit Druck umzugehen, wenn er sich offenbare. Bis zu den Gesamtjahresergebnissen 2018, die erst Anfang des neuen Jahres anstünden, dürfte zwar die Unsicherheit nun hoch bleiben, doch solche Perioden hätten sich häufig als fruchtbringende Kaufgelegenheiten erwiesen

Erhöhte Rückstellungen für Vergleichsverhandlungen

FMC selbst führte den verhaltenen Ausblick auf eine Reihe von Gründen zurück. So hätten im dritten Quartal ein schwächer als erwartetes Geschäft mit Dialysedienstleistungen in Nordamerika, die Hyperinflation in Argentinien sowie Informationskampagnen wegen diskutierter Änderungen der Dialysebehandlung in Kalifornien das Konzernergebnis belastet. Hinzu kämen um 75 Millionen Euro erhöhte Rückstellungen für laufende Vergleichsverhandlungen mit der US-Regierung wegen fragwürdiger Geschäftsvorgänge, die das Unternehmen 2012 gemeldet hatte.

Für 2018 rechnet FMC nun mit einem Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis von währungsbereinigt zwei bis drei (zuvor: fünf bis sieben) Prozent. Beim Konzernergebnis wird nun ein Wachstum auf von elf bis zwölf (13 bis 15) Prozent erwartet.

Fresenius: Chronik eines Vier-Milliarden-Desasters

Dagegen legte die auf Nachahmermedikamente spezialisierte Sparte Kabi deutlich zu: Sie erwartet nun ein Umsatzwachstum am oberen Ende der ankündigten Bandbreite und hob ihre Ergebnisprognose an. Insgesamt erhöhte Fresenius seinen Umsatz im vergangenen Quartal um drei Prozent auf rund 8,2 Milliarden Euro und das bereinigte Konzernergebnis um acht Prozent auf 455 Millionen Euro. Endgültige Zahlen sollen am 30. Oktober veröffentlicht werden.

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