Mittwoch, 19. September 2018

Mode trifft Motorsport Warum Marc 0'Polo ausgerechnet auf Bruno Senna setzt 

Rennsport - und zwar elektrisch: Bruno Senna vom Mahindra Racing Formula E Team in Aktion

Marc O'Polo warb beim Formel-E-Rennen in Berlin mit Fahrer Bruno Senna - zum ersten Mal mit einem Testimonial im Sport. Bei diesem einzelnen Engagement soll es aber nicht bleiben.

Ein großer Aufschlag eines Newcomers sieht anders aus: Mit zwei Aufklebern auf Helm und Overall von Formel-E-Fahrer Bruno Senna war Marc O'Polo beim deutschen E-Prix in Berlin präsent. Zudem lud das Unternehmen seine zehn größten Männerkunden ein und veranstaltete eine Pressekonferenz sowie ein Fotoshooting mit Senna in Monaco. Alles in allem dürfte Marc O'Polo für Rechte und Aktivierung nicht mehr als einen niedrigen sechsstelligen Euro-Betrag ausgegeben haben - erst einmal.

Marc O'Polo ist jedoch kein absoluter Neuling in der Sportbranche. Das 1967 in Schweden gegründete Unternehmen engagierte sich in den Achtzigerjahren bereits im Sportsponsoring. Unter anderem war man Ausrichter eines eigenen ATP- Tennisturniers in Rosenheim mit Stars wie Boris Becker und Stefan Edberg. Zudem war die mittlerweile in Oberbayern angesiedelte Firma in der Saison 1995/96 Titelsponsor des einstigen österreichischen Bundesliga-Clubs Marco O'Polo Ried.

SPONSORs
Heft Juli 2018

SPONSORs ist der führende deutschsprachige Informations-dienstleister im Sportbusiness.

Mehr Infos zu SPONSORs
Danach trat das Unternehmen im Sport kaum noch in Erscheinung. Das Formel-E- Sponsorship, das von der Agentur Emotional Engineering vermittelt wurde, wird daher als Testlauf gesehen. Es gehe darum, "eine Zusammenarbeit auszuloten und zu prüfen, wie die Formel E funktioniert", sagt Marketing-Chef Tom Wallmann. Die Rennserie, die ausschließlich auf Elektromotoren setzt, bezeichnet er als "modern, innovativ und nachhaltig", Markenbotschafter Senna als "lässig, bodenständig und natürlichen Charakter - eigentlich genau so, wie es perfekt zu Marc O'Polo passt".

Hinter dem Sponsoring steckt ein klarer Plan. Das Unternehmen will über ein Sportengagement "Markenbegehrlichkeit bei Männern erzeugen". Die Steigerung des Bekanntheitsgrads, der derzeit bei gestützt rund 90 Prozent liegen soll, ist dabei eher zweitrangig. Wallmann erklärt: "In unserem Segment ist das Thema Status bei Männern essenziell." Und anders als bei Frauen würden "bei Männern der Status und die Marke eine deutlich größere Rolle" spielen. Die kommunikative Herausforderung für Wallmann ist, den eher zurückhaltenden Markenattributen von Marc O'Polo, die er als "typisch nordisch" und "zurückhaltend" beschreibt, auf "eine smarte und intelligente Art weitere Attribute zu verleihen".

Marc O' Polo AG
Gegründet 1967 in Stockholm
Zentrale Stephanskirchen (bei Rosenheim)
Management (Gesellschafteranteile) Werner Böck, Aufsichtsratsvorsitzender und Mehrheitsgesellschafter (rund 90 Prozent) Alexander Gedat, CEO (rund 5 Prozent), Andreas Baumgärtner, COO & Vorstand für Design, Lizenzen, Marketing und Produktion (rund 5 Prozent)
Verantwortlich für Sponsoring Tom Wallmann, Director Marketing
Mitarbeiter (weltweit) 1910 (Stand: Mai 2015)
Umsatz (2013/14) 452 Mio. € (+ 7,6 Prozent)

Quelle: SPONSORs
Ein Anfang ist mit dem Brasilianer Senna gemacht. Stimmen Marktforschungs-und Medienwerte, dürfte das Engagement im kommenden Jahr auf weitere Rennen ausgeweitet werden. Ein Seriensponsoring in der Formel E kommt für Marc O'Polo aber weniger infrage, zu groß wären die Streuverluste. "Die Formel E fährt in vielen Märkten, in denen wir keine Präsenz haben", erklärt Wallmann.

In den Zielmärkten des Unternehmens wird bislang vor allem Deutsch gesprochen - in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hinzu kommen China, wo jüngst die ersten sieben Shops eröffnet wurden, sowie der derzeit schwierige russische Markt.

Wallmann weiß bislang vor allem, was er nicht will. "Ein Engagement in der Formel 1 ist für Marc O'Polo keine Option", sagt er. Was weniger an den preislichen Vorstellungen der Formel-1-Teams liegt - "das hätten wir uns leisten können". Vielmehr passe die nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens nicht zur Motorsport-"Königsklasse".

Wallmann schaut sich lieber im Fußball, aber auch im Golf und in Funsportarten wie Kitesurfen um. Er betont: "Uns geht es nicht nur um Sportarten, sondern um Typen, die einen gewissen Freigeist haben und unsere Philosophie 'Follow Your Nature' verkörpern." Charaktere wie die beiden Hollywood-Schauspieler Jeff Bridges und Uma Thurman, die Marco O'Polo bereits unter Vertrag hat.

Bruno Senna: Testimonial für Marc O´Polo
imago/Future Image
Bruno Senna: Testimonial für Marc O´Polo
An ein fest definiertes Budget muss sich Wallmann dabei nicht halten. "Wir suchen Möglichkeiten", sagt er, "geeignete Plattformen, die wir dann unserem Eigentümer und den Vorständen vorstellen". Ist das Management überzeugt, werden die Engagements anschließend auch umgesetzt. Dazu Wallmann: "Wir haben eine gewisse Freiheit und Flexibilität, die im Unternehmen gelebt wird und die wir auch bei unseren Markenbotschaftern suchen."

Diesen Text veröffentlichten wir mit freundlicher Genehmigung von SPONSORs , dem Fachmagazin für Sport-Business. Erschienen in der August-Ausgabe von SPONSORs.

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH