Montag, 24. April 2017

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Foodsharing: Teller statt Tonne Reste vom Fest? Hier sind die Geschäftsmodelle dafür

Teller statt Tonne: Die Reste-Retter
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Merkliurs

Übers Internet verschenken, im Food Truck verwerten - dank neuer Initiativen und Start-ups werden weniger Lebensmittel weggeworfen. Resteessen wird hip

Der Feinschmecker
Heft 5/2017

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Das Angebot klingt verlockend: "Viele Brötchen, Bagels, Muffins und süße Teilchen. Plus eine Box mit Kirschtortenstücken. Lasst es Euch schmecken!" Eine Alexa hat es auf der Seite von foodsharing.de gepostet. Abzuholen sind die Leckereien am Goldbekhaus, einem Kulturzentrum im schicken Hamburger Wohnviertel Winterhude. Das Angebot gilt für alle. Und es ist kostenlos.

Die Lebensmittelverschenkplattform "Foodsharing" bringt jeden Tag aufs Neue Essen unter die Leute: In Bremen wartet ein Korb mit Lauch und Äpfeln auf Abnehmer, in Friedrichshafen hat jemand 14 Gläser Mirabellengelee abzugeben. Sogar ganze Mahlzeiten sind im Angebot: Am Starnberger See sucht eine Maya für ihre "Chinanudeln mit Hühnerfleisch, super lecker" noch Mitesser.

Die Idee, Lebensmittel und Essen, das man nicht mehr braucht, an Menschen zu verschenken, die sich darüber freuen, verbreitet sich in Deutschland gerade wie warme Schokosauce über Vanilleeis. Denn Foodsharing trifft das Bedürfnis vieler Deutscher nach mehr Nachhaltigkeit: Die, die zu viel von etwas haben, geben es jenen, die es brauchen - anstatt das überflüssige Essen in die Tonne zu werfen.

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Mehr als 5,3 Millionen Kilo Lebensmittel hat die Initiative "Foodsharing" nach eigenen Angaben bereits gerettet. Und die Arbeit wird ihr so bald nicht ausgehen. Denn jede Sekunde füllen wir hierzulande drei Mülltonnen mit eigentlich noch genießbarem Essen. Nach einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wirft jeder Deutsche pro Jahr durchschnittlich 82 Kilo Lebensmittel weg - das entspricht etwa zwei vollbepackten Einkaufswagen. Essbare Lebensmittel zu verwerten ist angesichts dieser Müllberge sicher nicht die schlechteste Idee.

Die Ersten, die versucht haben, Verschwendung zu vermeiden, waren die "Tafeln". Seit 1993 sammeln sie mit ehrenamtlichen Helfern überschüssige, einwandfreie Lebensmittel in Supermärkten und bei Herstellern ein und verteilen sie an sozial oder wirtschaftlich benachteiligte Menschen - kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag.

Neu ist, dass aus geretteten Lebensmitteln Geschäftsideen entstehen. In der Schweiz kann man in den Filialen der "Ässbar" Brot und Kuchen vom Vortag zum halben Preis kaufen. Und auch in Deutschland tut sich viel, etwa im Rheinland. Dort wollen die Gründer von "Bebananas" mit Kuchen gegen den Wegwerfwahn angehen. Zwei Studenten backen Bananenbrot im großen Stil, liefern es an Bäckereien und Restaurants und verschicken es per Post quer durch die Republik.

Die überreifen Bananen, die sie für die süßen Brote brauchen, kaufen sie für wenige Euro auf dem Großmarkt. Das Obst hat ein paar braune Stellen - perfekt für Bananenbrot. Doch aus Sicht der Großhändler sind die Früchte reif für den Müll. "Schon ein Fleck so klein wie ein Fingernagel reicht, und das Ding kommt in die Tonne", sagt Tim Gudelj, einer der Gründer.

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