Sonntag, 9. Dezember 2018

Euro stürzt auf 17-Monats-Tief Dollar auf Höhenflug - Salvini und May vertreiben Investoren aus Europa

König Dollar: Anleger fliehen angesichts steigender Zinsen in den USA - der Streit zwischen EU und Italien sowie die zähen Brexit-Verhandlungen beschleunigen die Flucht in den Dollar

Der Höhenflug des Dollar geht weiter: Angesichts wachsender Risiken in Europa und steigender Zinsen in den USA hat die US-Währung gegenüber der Gemeinschaftswährung Euro weiter zugelegt. Der Euro Börsen-Chart zeigen fiel am Montag zeitweise auf 1,1240 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2017, also seit knapp eineinhalb Jahren. Immer mehr Investoren flüchten angesichts eines drohenden harten Brexit und einer neuen, von Italien verursachten Euro-Krise in den Dollar-Raum. In den USA locken zudem die wieder steigenden Zinsen.

Die US-Währung profitiert schon seit einiger Zeit von Erwartungen weiter steigender Leitzinsen in den USA. Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hatte erst vergangene Woche einen solchen Kurs signalisiert und dürfte im Dezember die Zinsen zum vierten Mal in diesem Jahr anheben. Steigende Zinsen lassen US-Anlagen lukrativer werden und stützen damit den Dollar.

Italien wird zum größten Risiko für den Euro

Neben der Stärke des US-Dollar wird der Euro vor allem durch den Haushaltsstreit zwischen Italien und der Europäischen Kommission belastet. Die italienische Regierung hat bis Dienstag Zeit, den von ihr vorgelegten Haushaltsentwurf für kommendes Jahr im Sinne der Kommission nachzubessern.

Bislang lässt Italien unter seiner populistischen Regierung um Giuseppe Conte und Matteo Salvini kein Zeichen des Einlenkens erkennen. Hauptstreitpunkt ist die Höhe der Neuverschuldung, die deutlich über dem Niveau liegt, das die mittlerweile nicht mehr im Amt befindliche Vorgängerregierung mit der Kommission vereinbart hatte.

Brexit-Verhandlungen: Druck auf May und das britische Pfund steigt

Unter erhöhtem Druck stand zu Wochenbeginn auch das britische Pfund. Einmal mehr sorgten Nachrichten zum Brexit für Belastung. Die britische Zeitung "Sunday Times" hatte berichtet, mehrere Regierungsmitglieder zögen einen Rücktritt in Erwägung. Sie seien unzufrieden mit dem Brexit-Kurs von Premierministerin Theresa May. Obwohl London zuletzt immer neue Gerüchte über angebliche Fortschritte in den Brexit-Verhandlungen gestreut hatte, befürchten immer mehr Investoren einen harten Brexit, also einen Abschied der Briten aus der EU ohne einen entsprechenden Vertrag. Ein harter Brexit dürfte vor allem Großbritannien, aber auch seine europäischen Nachbarn schwer belasten.

la/dpa/reuters

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