Freitag, 27. Mai 2016

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Konkurrenz für die Bahn Alle gegen den ICE

Privatbahnen: Konkurrenz auf der Langstrecke
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Locomore

Die Geschäftsidee ist ziemlich gewagt: Start-ups steigen in den Fernverkehr ein. Bald sollen Privatbahnen Köln und Berlin, Stuttgart und Hamburg verbinden. Die Newcomer versuchen es mit Tiefpreisen, Bioessen - und Crowdfunding.

Noch keine Pläne für Silvester? Wie wär's damit: Kurztrip im Schnellzug nach Berlin und zurück, Partywaggon und Schlafliege inklusive, zum Beispiel von Fulda aus für 79 Euro. Das Ungewöhnlichste an diesem Angebot ist nicht der recht niedrige Preis, sondern der Anbieter: ein Start-up namens derschnellzug.de, das deutschlandweit den Fernverkehr umkrempeln will.

Für Bahn-Kunden sind das gute Nachrichten, für die Deutsche Bahn eher schlechte. Denn derzeit machen gleich mehrere Unternehmen dem einstigen Staatskonzern die marktbeherrschende Stellung streitig. Wenn alles klappt wie geplant, fahren bald schon Privatbahnen die Hauptbahnhöfe von Aachen und Dresden, Berlin und Köln, Hamburg und Stuttgart an.

Besonders profitiert davon zunächst die Hauptstadt Baden-Württembergs: Ab März bietet derschnellzug.de Fahrten von Stuttgart nach Aachen und Hamburg an, später soll die Verbindung Karlsruhe-Dresden hinzukommen. Und auch der Mitbewerber Locomore will von Stuttgart aus starten: Von kommendem September an plant das Start-up mit einer täglichen Verbindung zwischen Schwaben und Berlin.

Doch auch im Rest des Landes breiten sich Privatanbieter aus: Ab Mitte Dezember etwa fährt der RDC Autozug Sylt auf die nördlichste deutsche Insel, und der Hamburg-Köln-Express (HKX) verlängert seine Stammstrecke bis nach Frankfurt. Die Fahrt von der Elb- in die Finanzmetropole kostet dann 34 oder 48 Euro. Zum Vergleich der Normalpreis im ICE: 122 Euro.


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Fahrgäste dürften sich über diese Entwicklung freuen - und von ihr profitieren. Denn schon der Preiskampf zwischen Deutscher Bahn und Fernbussen hatte flächendeckende Preiserhöhungen in diesem Jahr verhindert, die Konkurrenz auf der Schiene dürfte diesen Effekt verstärken. So gibt es nun 13-Euro-Tickets für eine Bahnfahrt von Kassel nach Berlin, der ICE-Normalpreis ist mit 93 Euro mehr als sieben Mal so teuer.

Für die Deutsche Bahn, die mitten in einer tiefgreifenden Umbruchphase steckt, könnte diese Entwicklung zum ernsten Problem werden. Die Privatunternehmen wollen nicht nur günstig und fast so schnell wie die ICE-Prestigezüge sein, sondern auch deren Kunden mit zusätzlichem Service anlocken. So wirbt derschnellzug.de mit "gesunden Slow-Food-Alternativen" aus dem Bordrestaurant, Locomore lockt mit kostenlosem WLAN und sogenannten Themenabteilen. Dort sollen sich Fußballfans, Laptop-Fanatiker oder Skatfreunde treffen können, Gesellschaftsspiele inklusive.

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