Sonntag, 4. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Dirk van Versendaal über Daunenjacken Jetzt sogar per Knopfdruck beheizbar!

Im Trend: Die Daunenjacke kommt zurück
Fotos
Colmar

Manche Trends kommen immer wieder. Dirk van Versendaal erklärt, warum. Diesmal: die Daunenjacke.

Der Minirock der Mary Quant, das kleine Schwarze von Chanel, die Kelly Bag von Hermès oder Yves Saint Laurents Smoking - die Mode liebt ihre Erfolgsgeschichten. Diese hier handelt von einer Sportjacke.

Sie raste in den 60ern und 70ern als gefütterter Kastenanorak über die Pisten der französischen Alpen und kleidete Brigitte Bardot und Farah Diba beim Après-Ski in Courchevel und St. Moritz. Mitte der 80er Jahre eroberte sie die Mailänder Innenstadt als Accessoire der "Paninari", einer italienischen Variante der deutschen Popper-Bewegung, um anschließend ihr Leben im Kleiderschrank zu fristen, als praktisches Notfallstück für Herbst und Winter.

Nun erlebt die alpine Jacke ein Comeback auf den Laufstegen der Welt. Daunenjacken werden längst nicht mehr nur in Kitzbühel oder Aspen getragen, sondern auch in New York, Berlin oder Paris, und zwar très chic über dem Abendkleid oder leger überm Anzug. Sogar an immerwarmen Orten wie Hongkong oder Dubai werden die mitunter ziemlich kostspieligen Stücke mit Federfüllung als Statussymbol herumspaziert.

Dirk van Versendaal
  • Copyright: Martin Kunze
    Martin Kunze
    Dirk van Versendaal schreibt seit 25 Jahren über Mode u. a. für "Stern", "Vogue" und "SZ-Magazin". Er würde nie eine seiner beiden ultraleichten Daunenjacken über einem Anzug anziehen, weil nur Italiener und Franzosen das Selbstverständnis dafür haben. Er ist aber Holländer.
Den Aufstieg von der voluminösen Sackjacke zum exklusiven Dessus haben die Daunenkleider mithilfe technischer Neuerungen und modernster Stoffe bewältigt, auf Betreiben von Marken wie Moncler, Herno oder Canada Goose. Heutige Exemplare sind mit einer wasserdichten Nylonhaut ummantelt, mit leichten Reißverschlüssen versehen und mit Federn aus der Brustpartie von Gans oder Ente gefüllt.

Manche Jacken wiegen gerade mal 50 Gramm und passen in jede Tasche. Kein Vergleich zu den Vorfahren, die den halben Schrank füllten und fast ein Kilo wogen. Trocken. "Sobald es regnete, saugten sich die Daunen voll." Remo Ruffini, der Kreativchef und CEO von Moncler kann sich noch gut daran erinnern, wie er in seinen Zwanzigern wie ein aufgequollenes Michelin-Männchen auf dem Moped durch Mailand fuhr: "Mit dieser gefühlt zehn Kilo schweren Jacke."

Gefunden in
Splendid
November 2015

Das Magazin Splendid erscheint als Beilage des manager magazins.

Digitale Ausgabe
Gedruckte Ausgabe
manager magazin testen + Geschenk
Abo
Das ist zum Glück vorbei. Auf Reisen lassen sich die neuen Leichtgewichte sogar in ein Kissen verwandeln. Und weil das gefütterte Steppmaterial nicht mehr aufträgt wie früher, schneidert man bei Marken wie Moncler längst auch Kleider oder Röcke daraus, ja ganze Kollektionen. Einige Daunenjacken bieten zudem verspielte Extras: Stone Island etwa führt in seiner Kollektion ein Exemplar vor, das seine Farbe mit der Temperatur ändert. Bei Kälte erscheint der Stoff fast schwarz, steigt das Thermometer, wird er farbig.

Das Stuttgarter Kaufhaus Breuninger hat sogar ein Modell im Angebot, von dem Frostbeulen früher nicht einmal zu träumen wagten: Es ist per Knopfdruck beheizbar.

Lesen Sie auch:

Greenpeace-Umfrage: Deutsche betrachten Kleidung als Wegwerfware

Birkenstock - Die Rettung der Ökoschuhe


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH