Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Die neuen Player im globalen Monopoly-Spiel Chinas zehn aggressivste Konzerne

Wanda-Chef Wang Jianlin: Der reichste Chinese besitzt 31 Milliarden Dollar - und investiert im Entertainment-Bereich

Wer ist Wanda? Wer steckt hinter HNA? Zwei chinesische Unternehmen. Das eine - Wanda - wollte soeben gerüchteweise die Postbank Börsen-Chart zeigen kaufen, das andere - HNA - ist gerade bei der Deutschen Bank eingestiegen. Und wieder einmal herrscht in der Öffentlichkeit Rat- und Ahnungslosigkeit. Chinas Firmen haben für uns unverständliche Namen und kryptische Kürzel. Oft kennen sie nur Brancheninsider.

Und noch weniger weiß man hierzulande über die Bosse, die hinter den Namen stehen. Wer kennt schon HNA-Gründer Chen Feng oder Wanda-Chef Wang Jianlin, obwohl er der reichste Chinese ist.

Ein Manko, das wir uns in Deutschland nicht mehr leisten können. Denn die uns unbekannten Herren sind die Aufkäufer von heute und Wettbewerber von morgen. Wir müssen deshalb viel intensiver auf die chinesische Unternehmenslandschaft blicken und sie verstehen lernen. Und die ist zweigeteilt: Hier die Staatskonzerne (meist nach ihrem englischen Namen State-Owned Enterprises als SOEs abgekürzt) und dort die mehr oder wenigen privaten Unternehmen.

Die SOEs werden von einer allmächtigen Behörde, der SASAC, gelenkt. Derzeit hat das SASAC knapp über 100 Konzerne im Portfolio - von Bank of China Börsen-Chart zeigen über China Mobile bis Sinopec. Viele von ihnen gehen auf globale Einkaufstour, die aber meist politisch motiviert und angeordnet ist, zum Beispiel beim Kauf von ausländischen Rohstoffunternehmen. Auch der ChemChina-Syngenta-Deal dient vor allem einem politisch-strategischen Ziel, nämlich der Sicherung der in China prekärer werdenden Nahrungsmittelversorgung.

Wolfgang Hirn

Anders gehen die privaten Konzerne vor, die inzwischen die Wirtschaft Chinas in weiten Teilen dominieren. Ihre Internationalisierungsstrategie hat vor allem drei Treiber: Brands, Marktanteile und Technologie. Um diese zu erwerben, greifen die chinesischen Unternehmen tief in ihre Taschen und bieten fast um jeden Preis mit. Im globalen M&A-Spiel sind sie inzwischen ein gewichtiger Player geworden. Die zehn aggressivsten Konzerne aus dem Reich der nahezu unbegrenzten finanziellen Mittel sind die folgenden:

  • Alibaba: Der E-Commerce-Konzern wurde von Jack Ma, dem wohl bekanntesten Unternehmer des Landes, gegründet. Der charismatische Ma hat Popstar-Statuts. Er wird von Trump und Merkel hofiert. Alibaba Börsen-Chart zeigen - aus dem B2B-Bereich kommend - kauft derzeit vor allem im B2C- und via Tochter Ant Financial im Finanz-Bereich (zum Beispiel MoneyGram) ein.
  • Anbang: Wu Xiaohui startete erst 2004 mit seinem Versicherungskonzern, der aber dank seiner guten Verbindungen - er ist mit einer Enkelin von Deng Xiaoping verheiratet - rasch wuchs. Diversifiziert derzeit ins Hotel-Business, kaufte das Waldorf Astoria in New York, stieg aber beim Bieten der Starwood-Kette aus.
  • Fosun: Gründer Guo Guangchang vergleicht sich gerne mit Warren Buffett und sein Unternehmen mit GE. Fosun ist ein Konglomerat, das auch stark in Europa ist. Dort gehören ihm der ClubMed, Banken in Portugal und Deutschland.
  • Geely: Wurde unter Li Shufu vor allem mit preiswerten Kleinwagen groß. Dann kaufte er Volvo Börsen-Chart zeigen, dessen Integration offenbar gelungen ist. Derzeit buhlt er mit Peugeot Börsen-Chart zeigen um den malaysischen Hersteller Proton.
  • HNA: Startete von der Tropeninsel Hainan mit der ersten privaten Fluglinie Hainan Airlines. Unter Gründer Chen Feng folgten weitere Engagements im Luftverkehr und Hotelgewerbe (Hilton Börsen-Chart zeigen, Carlson, NH). Steigt nun auch in Banken ein, siehe das aktuelle Engagement bei der Deutschen Bank.
  • Midea: Ein Weiße-Ware-Produzent, der vor allem bei Klimageräte führend ist. Kaufte 2016 erst die Haushaltsgerätesparte von Toshiba Börsen-Chart zeigen und dann den deutschen Roboterhersteller Kuka Börsen-Chart zeigen.
  • Sanpower: Das Unternehmen von Yuan Yafei und Schwager Chen Yixi ist stark im Einzelhandel (Computerläden und Warenhäuser) und Immobilien. Sie kauften bereits 2014 die britische Warenhauskette House of Fraser.
  • Suning: Zhang Jindong baute die größte Elektromarktkette auf. Hat heute 1600 Läden und 180.000 Mitarbeiter. Übernahm 2016 für über 300 Millionen Dollar die Mehrheit am Fußballklub Inter Mailand.
  • Tencent: Ist neben Alibaba das andere große Internetunternehmen. Verdient viel Geld bei Online-Spielen. Dominiert mit WeChat - übrigens viel besser als WhatsApp - den Messengermarkt. Erobert systematisch den asiatischen Markt und eröffnet nun Büros in Europas Metropolen (nach Mailand bald auch Paris und London).
  • Wanda: Gegründet von Wang Jianlin, dem reichsten Chinesen (Vermögen: 31 Milliarden Dollar). Er ist im Immobiliengeschäft groß und reich geworden. Expandiert stark im Entertainment-Bereich, kaufte Kinoketten, Hollywood-Studios, Fußball-Klubs und Sportrechte-Vermarkter.

Das sind nur zehn Konzerne aus der Top-Liga. Hinter dieser ersten Reihe tummeln sich noch viele steinreiche Unternehmer. Eine sehr gute Übersicht über "China's Tycoons" gibt das von der HSBC gesponsorte Online-Magazin Week in China. Dort sind 150 Tycoons beschrieben und abgebildet. Es könnte durchaus sein, dass einer dieser - noch - unbekannten Herren (und wenigen Damen) dieses Jahr mit einem Koffer voller Geld auf der ein oder anderen deutschen Vorstandsetage auftaucht.

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