Mittwoch, 20. September 2017

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China-Experte über neue Edelmarken "In Sachen Luxus können wir von den Chinesen lernen"

China: Auf diese neuen Luxusmarken sollten Sie achten
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Longio

3. Teil: "In zehn bis 15 Jahren werden viele internationale Luxusmarken aus China kommen"

mm: Warum sind chinesische Luxusmarken im Westen noch so unbekannt?

Heine: Ganz einfach: Bekanntheit braucht Zeit. Es gibt in Festland-China de facto keine Luxusmarke, die älter ist als zehn Jahre. Der Großteil ist deshalb selbst in China noch relativ unbekannt. In zehn bis 15 Jahren werden aber schon viele internationale Luxusmarken aus China kommen. Ein großer Teil der neuen Luxusmarken gehört zu finanzstarken chinesischen Großunternehmen, die schon lange für westliche Prestigemarken produzieren. Das Know-how über die Herstellung von Luxusprodukten ist also bereits vorhanden. Das Land hat sich - fast unbemerkt - zu einem der größten Herstellerländer von Prestige- und Luxusprodukten entwickelt. Hong Kong und Taiwan bieten eine gute Vorschau für die Entwicklung in Festland-China. Dort gibt es schon erfolgreiche Luxusmarken wie zum Beispiel Peninsula und Shangri-La Hotels, Ports 1961 oder Shanghai Tang.

mm: Welche Bereiche sind dabei besonders wichtig?

Heine: Nun, in allen Bereichen, wo schon ein Land das Country-of-Origin Image für sich gepachtet hat, wird es schwierig - Schweizer Uhren sind schwer zu toppen. China hat grundsätzlich als Herkunftsland von Luxus noch ein Imageproblem. Aber die reiche Geschichte und Handwerkstradition bietet einen Nährboden für die Etablierung eigener Luxusmarken. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts kamen westliche Händler nach China, um europäisches und amerikanisches Silber gegen chinesische Luxuswaren einzutauschen. So galt das Label "Made in China" über viele Jahrhunderte hinweg als Synonym für überlegene Qualität und Handwerkskunst. Besonders begehrt waren Seide, Keramik, Porzellan, Kaschmir, Schreibinstrumente, Tee und Möbelstücke. Das sind erstaunlicherweise in etwa die gleichen Kategorien, die mir bei einem unserer Management-Trainings in Shanghai als besonders vielversprechende Kategorien für chinesische Luxusmarken genannt wurden. Gerade haben wir auch in einem Kooperationsprojekt das Start-up MPH dabei unterstützt, eine Luxus-Kaschmir-Marke zu entwickeln. Darüber hinaus hat China enormes Potential im Gast- und Hotelgewerbe.

mm: Warum haben gerade Dienstleistungsbranchen viel Potential?

Heine: Luxusmarken benötigen zwei wesentliche Zutaten: symbolische Bedeutung und Prestige. Als "High-context Culture" wird in China vieles nicht wie in Deutschland geradeaus ausgesprochen, sondern indirekt, oft durch Symbolsprache, kommuniziert. Entsprechend hat ganz vieles in China irgendeine Bedeutung. Die reiche chinesische Kultur bietet also ausreichend Stoff um Geschichten zu erzählen. Darüber hinaus ist in China Status und Prestige von immens hoher Bedeutung. Entsprechend positiv ist eben die Einstellung zu Luxus. Ich beobachte auch, dass in Ländern mit hohem Status- und Prestigedenken, auch besondere Erfahrung vorhanden ist, wie man Kunden das Gefühl von Prestige vermittelt. Beim Besuch von edlen Spas, Hotels und Restaurants in Shanghai können wir Deutsche in Sachen Luxus auch noch einiges von den Chinesen lernen.

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