Montag, 30. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Das Millionengeschäft mit der Müdigkeit Endlich wieder richtig gut schlafen

Gute Nacht: So schlafen Sie besser
Fotos
Corbis

Ausgebrannte Manager, überreizte Handynutzer, ruhelose Vielflieger - alle suchen nach Entspannung im Schlaf. So lässt sie sich finden.

Pünktlich um neun Uhr abends steht Dr. Christoph Puelacher mit seinem Köfferchen vor der Zimmertür. Wer im Lanserhof seine Ruhestunden analysieren lässt, muss sich nicht ins Bett eines kargen Klinikraums legen. In Tirols feinstem Medical-Wellness-Zentrum kommt das Labor direkt aufs Zimmer - wie in Grandhotels der Champagner.

Die Gäste, die hier einchecken, legen keinen Wert auf kulinarische Genüsse. Sie begnügen sich mit Haferbrei, gedünstetem Gemüse und Stoffwechseltee. Sie kommen, um ihr Leben umzukrempeln: ihre Ernährung zu verbessern, zu entspannen, endlich ihren Rhythmus von Wachsein und Schlafen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Viele sind nicht zum ersten Mal hier. Das Gros der Gäste kommt alle sechs bis zwölf Monate, manche bereits seit 20 Jahren - trotz Preisen von 5000 bis 10.000 Euro für 14 Tage Aufenthalt inklusive Behandlungen und Konsultationen. Zwei Drittel der Klienten litten unter Schlafproblemen, sagt Medizinmann Puelacher. Deutlich mehr als früher.

Gefunden in
Splendid
November 2015

Das Magazin Splendid erscheint als Beilage des manager magazins.

Digitale Ausgabe
Gedruckte Ausgabe
manager magazin testen + Geschenk
Abo
Ruhelosigkeit und durchwachte Nächte sind ein Phänomen, das weltweit zunimmt. Das US-Wissenschaftsmagazin "Sleep Health Journal" veröffentlichte kürzlich eine Studie, in der 60 Prozent der Teilnehmer über schlechten Schlaf klagten. In Nordamerika hat sich die Anzahl der Schlafkliniken in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Auch hierzulande sind solche Einrichtungen gefragt: Die "Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin" (DGSM) registriert bei den rund 280 eingetragenen Laboren steigende Wartezeiten.

Ausgerechnet die Geräte sollen es richten, die die Hektik verstärken

Müdigkeit ist zum Millionengeschäft geworden: Das Angebot reicht von Spezialkissen und Schlaftees über Beruhigungsbäder und Massageöle bis hin zum "Sleeptracker", der Technikfreaks mittels Uhr und iPhone zu besserer Nachtruhe verhelfen will. Ausgerechnet jene Geräte sollen es richten, die die Hektik des Alltags verstärken. Kaum jemand schafft es heute noch, regelmäßige Ruhepausen in den Tagesablauf einzutakten. Stattdessen wird jede freie Minute genutzt, um auf dem Smartphone Mails zu checken oder den Facebook-Status zu aktualisieren. Der Jetlag, dem Vielreisende ausgesetzt sind, verschärft die Schlafprobleme noch.

Nach Lans kommen vor allem ausgebrannte Manager, die in ein oder zwei Wochen ihren Akku wieder aufzuladen versuchen. Nur, um danach weiterzubrennen. "Die Leute müssen runterkommen!", sagt Puelacher. Bevor er sein Labor auspackt, fragt er die Patienten gründlich aus: Tagesablauf? Überstunden? Sport zum Ausgleich? Wann wird gegessen? Alkohol? Wie viel, wie oft? Liegt das Handy neben dem Bett?

Was man ihm preisgibt, führt häufig direkt zur Ursache des Problems. "Die Nacht ist der Spiegel des Tages", sagt Puelacher. Den Patienten, die sich den Kopf darüber zerbrechen, was schiefläuft, nachdem sie zum fünften Mal in zehn Minuten auf den Wecker geschaut haben, rät der Arzt, sich eine zentrale Frage zu stellen: "Wie gestalte ich meinen Tag?" Vor allem in der leistungsbewussten oberen Mittelschicht werde ein Leben mit viel Arbeit, wenig Schlaf und noch weniger Freizeit idealisiert. "Was für ein Unsinn!"

Aus seinem Koffer holt Puelacher jede Menge Kabel und ein kleines Aufzeichnungsgerät. Vier Elektroden an die Stirn für die Hirnströme, drei an den Brustkorb für die Herzfrequenz, zwei für die Beine, um zu messen, wie unruhig diese im Schlaf sind. Ein Gurt um die Brust, mit dem die Atmung gemessen wird. Eine Klammer an den Zeigefinger, um die Sauerstoffsättigung zu dokumentieren.

Seite 1 von 3
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH