Montag, 20. November 2017

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Die entlegensten Orte der Welt Unerreichbare Inseln, wilde Wälder, urbane Katakomben

Seinen Namen verdankt Inaccessible Island den rund um die Insel verlaufenden steilen Klippen.
Chris Howarth/South Atlantic / Alamy Stock Photo
Seinen Namen verdankt Inaccessible Island den rund um die Insel verlaufenden steilen Klippen.

An die Leine gelegt und domestiziert, wird die Wildnis überzüchtet und denaturiert. Einst weiße Flecken auf den Landkarten sind von Straßen, Feldern und Städten durchzogen. Kein Wunder, dass man knapp davor ist, unsere Gegenwart als neues geologisches Zeitalter zu definieren: das Anthropozän, die Epoche des Menschen - ein Begriff, der die Dominanz der Menschheit auf diesem Planeten unterstreicht.

Buchtipp

Diese Texte sind Auszüge aus folgendem Buch:

Chris Fitch
Atlas der ungezähmten Welt - Eine Reise zu extremen Landschaften, un-berührten Plätzen und wilden Orten

Brandstätter Verlag, engl., 208 Seiten, Okt. 2017, 29,90 Euro

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Und trotzdem: Fühlen wir uns nicht immer noch von ungezügelten, unkultivierten Landschaften angezogen? Abgeschieden und exotisch, voller Rätsel und unbeantworteter Fragen wecken sie Fernweh und Vorstellungen von einer entlegenen Wildnis. Das Zeitalter der Entdeckungen - jene Ära, in der Segelschiffe bis zum Horizont und darüber hinaus fuhren, um neue Welten zu suchen - mag größtenteils hinter uns liegen (für sich betrachtet vielleicht keine schlechte Sache).

Das bedeutet aber nicht, dass es nicht nach wie vor einzigartige wilde Plätze gibt, die man aus dem einen oder anderen Grund als "ungezähmt" beschreiben kann. Der Fortschritt zähmt die Welt und lässt jene homogene Monotonie um sich greifen, die unseren Lebensraum ausmacht. Doch diese anderen Orte geben sich nicht geschlagen und entziehen sich standhaft den gefräßigen Tentakeln der Kultivierung. Hier sind elf Beispiele.

Südatlantik: Inaccessible Island

Sie ist eine der entlegensten Inselgruppen der Welt: Tristan da Cunha, Teil des britischen Überseegebiets St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha. 260 Menschen leben hier vorwiegend von Langustenfang und -export. Der nächste Flughafen liegt mehr als 2800 km entfernt im südafrikanischen Kapstadt, was bedeutet, dass man die Insel nur erreicht, wenn man eine sechstägige Reise mit einem Schiff auf sich nimmt.

Das unbewohnte Inaccessible Island treibt die Isolation noch auf die Spitze. Denn hat ein potenzieller Besucher einmal die lange Seereise bis Tristan da Cunha trotz heftiger unvorhersehbarer Wetterkapriolen überstanden, muss er sich hier auch noch mit den buchstäblich unzugänglichen Klippen herumschlagen, um überhaupt anlegen zu können.

Seinen Namen aber erhielt Inaccessible Island wohl von dem französischen Kapitän d'Etchevery, der 1778 hier anlegen wollte, was sich aufgrund der 300 Meter hohen, fast kerzengerade aus dem Meer aufragenden Klippen der plateauförmigen Insel als unmöglich herausstellte. Wie ein natürlicher Verteidigungswall wirken diese Klippen, von denen außerdem spektakuläre Wasserfälle ins Meer donnern. Im Jahr 1997 wurden Inaccessible Island und das Meer rund um die Insel zum Naturreservat erklärt, 2004 mit dem benachbarten Gough Island in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten eingeschrieben.

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