Mittwoch, 22. November 2017

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Unschöne neue Arbeitswelt Wie Work-Life-Blending unser Privatleben kaputt macht

Work-Life-Balance war gestern. Heute regiert Work-Life-Blending - ein Alptraum für die Familie

3. Teil: Work-Life-Separation als zeitgemäße Alternative

Unternehmen werden nicht umhinkommen, deutlich kritischer mit den Lobgesängen der Protagonisten unserer neuen Arbeitswelt umzugehen. Auf Work-Life-Blending bezogen, wird dieser psychologische Vertrag bei einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern vielleicht noch eine große Zukunft haben. Aber auch nur, wenn das Blending in beide Richtungen funktioniert und toleriert wird.

Für viele andere Mitarbeiter müssen wir über eine Alternative nachdenken und könnten beim genauen Gegenteil fündig werden: Work-Life-Separation. Sie basiert auf einer klaren Trennung zwischen zwei Phasen, die beide gerade durch ihre klare Trennung positiv erlebt werden. Gerade Letzteres ist wichtig: Privatleben ist kein Ausgleich für Arbeit und deshalb wird auch nicht etwa Arbeit durch Freizeit ausbalanciert.

Faktoren wie Abschalten oder Regenerieren werden durch die Work-Life-Separation wieder möglich und erlauben dem Mitarbeiter, einen freien Kopf zu bekommen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Mitarbeiter innovativ sein sollen, ist solch ein Abschalten notwendig - ein Aspekt, dem auch Richard Branson und viele Kämpfer für eine wirklich zukunftsfähige neue Arbeitswelt (" New Work") zustimmen. Abzuschalten und einem Hobby -etwa Kunst zu erschaffen - zu folgen, führt dazu, dass Mitarbeiter wieder kreativ sein können und mehr erreichen, als wenn sie im permanenten Hamsterrad des Work-Life-Blendings mit seinen nie endenden Projekten stecken.

Für Unternehmen hat dies unmittelbare Konsequenzen: Es gibt wieder klare Arbeitszeitstrukturen, und das ist weder altmodisch noch unrealisierbar. Gleichzeitig bedeutet dies bessere Planung und Organisation. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung gibt es hier umfassende Möglichkeiten, die verhindern, dass um 16:00 Uhr der Chef seinen staunenden Mitarbeitern mitteilt, dass heute (einmal wieder) zwei Stunden (mindestens!) länger gearbeitet wird. Konkret formuliert: Flexibilität darf nicht die Allzweckwaffe gegen Organisationsversagen sein und Digitalisierung nicht nur dazu dienen, in die Privatsphäre der Mitarbeiter einzudringen.

Über dieses alternative Szenario sollte man nachdenken und nicht länger den einschmeichelnd-gefährlichen und scheinbar alternativlosen Verlockungen der falschen Propheten mit ihrer pseudo-betriebswirtschaftlichen Argumentation folgen: Die Abkehr von Work-Life-Blending als kollektivem Irrweg wäre dann eine Chance für ein wirklich anderes, produktiveres und lebenswerteres New Work.

Christian Scholz ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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