Freitag, 30. September 2016

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Bilanzreigen an der Börse - die Konzerne lassen sehen Diese Zahlen zeigen, wie es Deutschlands Wirtschaft wirklich geht

Rauf, runter, rauf: Der Dax wird unter anderem von der Politik der Notenbanken - doch inmitten der Diskussion über Geldschwemme, globale Konjunktur und weichen Euro zeigen nur die harten Firmendaten, wie es um Deutschlands Wirtschaft derzeit steht

Berichtssaison an der Börse: Abseits von Geldschwemme und China-Angst zeigen Deutschlands Konzerne mit harten Fakten, wie es um die deutsche Wirtschaft steht.

Reihenweise legen Konzerne in diesen Tagen ihre Quartalsergebnisse vor. Eine gute Gelegenheit, sich abseits von Phantasie und Psychologie einmal anzuschauen, was am Aktienmarkt auf lange Sicht den eigentlichen Ausschlag gibt: die sogenannten Fundamentaldaten, sprich beispielsweise Umsatz- und Gewinnentwicklungen, oder das Wirtschaftswachstum.

Wo stehen also die deutschen Großunternehmen aus Dax Börsen-Chart zeigen und MDax Börsen-Chart zeigen? Und welches Gesamtbild ergibt sich für die Konjunktur hierzulande?

Die kurze Antwort lautet: ein diffuses. Wie auch die Übersicht von manager-magazin.de zeigt (siehe Bilder-Slider), gibt es unter den Firmen, die bereits berichtet haben, solche, die ausgesprochen gut dastehen und allen Grund zum Optimismus haben. Bestes Beispiel ist der Pharma- und Chemiekonzern Merck Börsen-Chart zeigen, der seinen Umsatz und seinen Gewinn zuletzt stark steigern konnte und auch die Prognose für den Rest des Jahres anhob. Mit dem Kauf des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich für 17 Milliarden Dollar stemmt Merck zudem zurzeit die größte Übernahme der Konzerngeschichte.


Die Quartalsergebnisse wichtiger Konzerne im Überblick:

Konzernergebnisse, Teil 1: Die Gewinnertypen

Merck: Konzernchef Karl-Ludwig Kley verkündete einen Umsatzanstieg sowie einen Gewinnsprung, der die Erwartungen noch übertraf. Zudem hob Kley die Prognose für das Gesamtjahr an - und ist gerade dabei, mit dem US-Laborausrüster Sigma-Aldrich die größte Übernahme der Merck-Geschichte zu deichseln. Fazit: Starke Stellung, prächtige Perspektive.

Konzernergebnisse, Teil 1: Die Gewinnertypen

Continental: Der Autozulieferer aus Hannover veröffentlichte gute Zahlen und blickt optimistisch in die Zukunft. Der Gewinn stieg im dritten Quartal kräftig. Zudem hob das Unternehmen seine Prognose an. Fazit: Bei Continental ist der Abgasskandal noch nicht angekommen.

Konzernergebnisse, Teil 1: Die Gewinnertypen

Covestro: Die Bayer-Tochter meldete einen Gewinnsprung und schaut zuversichtlich auf das, was kommt. Der Kunststoffhersteller profitiert stark von niedrigen Rohstoffpreisen und dem schwachen Euro. Fazit: Erfreuliche Lage und Aussichten.

Konzernergebnisse, Teil 1: Die Gewinnertypen

Henkel: Der Konsumgüterhersteller hatte zuletzt vor allem im Klebstoffgeschäft enttäuscht. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden: Die jüngsten Quartalszahlen überzeugten auch an der Börse, das Unternehmen steigerte seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Fazit: Nach schwieriger Zeit gibt es wieder Grund für Optimismus.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Siemens: Der Elektrokonzern überraschte zwar mit einem Gewinneinbruch. Das lag aber vor allem an Sondereffekten. Wichtiger scheint: Aufträge und Umsätze legten zu. Und den zuletzt gebeutelten Aktionären will Vorstandschef Joe Kaeser eine höhere Dividende zahlen. Fazit: Echte Krise klingt anders.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

RWE: Die Versorger sind wegen des Wegfalls des Atomkraftgeschäfts weiter sehr unsichere Kandidaten. RWE kann inzwischen allerdings offenbar Zählbares im Bereich neue Energien vorweisen. Das Nettoergebnis von fast zwei Milliarden Euro täuscht dennoch über die Lage, denn da steckt der Milliardenerlös aus dem Dea-Verkauf drin. Fazit: Mitten im Umbruch wegen Energiewende, Zukunft ungewiss.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Eon: Die Zukunft des RWE-Konkurrenten erscheint mindestens genauso unklar. Fest steht: Zum Jahreswechsel erfolgt die angekündigte Aufspaltung in zwei Firmen. Aber was dann? Diese Woche schockte Eon-Chef Johannes Teyssen erst einmal mit Milliardenabschreibungen. Fazit: Schicksal wegen Energiewende ebenfalls kaum absehbar.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Deutsche Post: Das ehemalige Staatsunternehmen befindet sich laut Vorstand in einer Übergangsphase, in der offenbar vor allem die Installation von EDV-Systemen Probleme bereitet. So entstanden zuletzt hohe Abschreibungen und ein Gewinneinbruch. Schon mehrfach wurde die Jahresprognose gekürzt. Grund zur Zuversicht könnte dagegen eine anstehende Portoerhöhung geben. Fazit: Grundsolides Geschäft, aber derzeit in merkwürdigen Turbulenzen.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Kuka: Der Roboter- und Anlagenbauer verzeichnete zwar ein Minus beim Gewinn. Das lag allerdings vor allem am Zukauf Swisslog. Insgesamt fielen die Ergebnisse Analysten zufolge solide aus. Fazit: In Zukunft wird vor allem spannend sein, ob sich absehbare Sparmaßnahmen bei Volkswagen auf das Kuka-Geschäft auswirken werden.

Konzernergebnisse, Teil 2: Die Durchschnittstypen

Solarworld: Das Sonnenstromunternehmen legte erfreuliche Zahlen vor, bei Absatz und Umsatz gab es zweistellige Zuwächse. Trotz der positiven Geschäftsentwicklung schreibt das Unternehmen nach Steuern aber Verluste. Und ein wichtiges Gerichtsurteil in den USA ließ unlängst den Aktienkurs einbrechen. Fazit: Solarworld kämpft mit harter Konkurrenz - auch vor Gericht.

Konzernergebnisse, Teil 3: Die Verlierertypen

Osram: Bei der früheren Siemens-Tochter sieht es nicht so gut aus. Der Gewinn brach zuletzt massiv ein, das Unternehmen versucht es nach massivem Stellenabbau jetzt mit einem grundlegenden Strategieschwenk: Mit Milliardeninvestitionen soll der Übergang von der Glühlampe zur LED geschafft werden. Fazit: Ausgang ungewiss.

Konzernergebnisse, Teil 3: Die Verlierertypen

K + S: Dem Kasseler Unternehmen macht ein Preisverfall bei Düngemitteln zu Schaffen, so dass es seine Prognose für das Gesamtjahr kürzen musste. Grundlegend sieht sich K + S aber in einem Wachstumstrend. Die Aktie fiel nochmals und notiert weit unter dem Wert, den noch vor Kurzem Konkurrent Potash zahlen wollte. Fazit: K + S agiert in einem Markt, dessen weitere Entwicklung nur sehr schwer abzusehen ist.

Konzernergebnisse, Teil 3: Die Verlierertypen

Porsche: Hier geht es nicht um den Autobauer Porsche, sondern um die Holding, die Haupteigner von Volkswagen ist. Damit ist auch klar, wohin die Reise geht: Der Dieselskandal schlug bereits auf die Muttergesellschaft durch, der Porsche-Gewinn halbierte sich. Auch die Prognose hat die Holding gekürzt. Fazit: Der Abgasskandal trifft auch die Familien Porsche und Piech, die das Unternehmen kontrollieren.

Konzernergebnisse, Teil 3: Die Verlierertypen

Heidelberger Druck: Der Maschinenbauer hat auf seinem Sanierungskurs einen Rückschlag erlitten. Trotz Umsatzanstiegs sank das operative Ergebnis. Nach Steuern schreibt das Unternehmen sogar Verluste Fazit: Der Kampf gegen einen wegbrechenden Werbemarkt und die Verdrängung von Printerzeugnissen durch das Internet geht weiter.


So gut sieht es aber selbstverständlich nicht für alle Unternehmen aus. Der Lampenhersteller Osram Börsen-Chart zeigen etwa trennt sich derzeit nicht nur vom Glühbirnengeschäft, sondern gleichzeitig auch von tausenden Mitarbeitern. Milliardeninvestitionen in den LED-Bereich sollen eine bessere Zukunft sichern. Ob es klappt - ungewiss.

Die beiden Beispiele stehen sinnbildlich für die aktuelle Gesamtsituation: Die deutsche Wirtschaft wächst zwar, von Krise oder gar Rezession kann also eigentlich keine Rede sein. Wie Konjunkturdaten just aus dieser Woche zeigen, beruht die Dynamik aber vor allem auf Treibern innerhalb Deutschlands, wie geringer Arbeitslosigkeit sowie steigenden Löhnen, niedriger Inflation und dem lebhaften Konsum der Verbraucher.

Gleichzeitig gibt es aber jenseits der Grenzen verschiedene Faktoren, die den Unternehmen zu Schaffen machen und den Blick in die Zukunft trüben. Am wichtigsten: Die Schwäche Chinas, das zu einem der Haupthandelspartner und Absatzmärkte deutscher Konzerne geworden ist. Vor allem der Auto- und Maschinenbauindustrie hierzulande bereiten die mäßigen Nachrichten aus Fernost Sorge.

Entsprechend mittelmäßig fallen die Prognosen der Ökonomen aus. Die meisten Forschungsinstitute sagen Deutschland im laufenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,7 bis 1,9 Prozent voraus. Für das kommende Jahr werden ähnliche Werte erwartet. Für die größte Volkswirtschaft Europas ist das zwar keine Katastrophe. Im weltweiten Wettbewerb stehen Deutschland sowie die Eurozone insgesamt damit aber eher bescheiden da.

Zum Vergleich: Organisationen wie der IWF oder die OECD rechnen damit, dass die Weltwirtschaft in diesem und dem kommenden Jahr um jeweils mehr als 3 Prozent wachsen wird. China, das sich als Schwellenland ohnehin nach wie vor in einer anderen Wachstumsphase befindet, marschiert trotz Schwäche mit Expansionsraten zwischen 6 und 7 Prozent vorneweg. Aber auch in den USA dürfte bist Ende 2016 ein Plus von deutlich mehr als 2 Prozent pro Jahr entstehen.

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