Donnerstag, 30. März 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Börse im Höhenflug Darum ist die Trump-Rally womöglich gar keine Trump-Rally

Händler an der US-Börse: Was treibt die Aktienkurse wirklich?

Seit Donald Trump die US-Wahl gewonnen hat, steigen die Aktienkurse. Doch Anleger müssen gar nicht auf Trumps Segnungen für die Wirtschaft hoffen - den meisten Unternehmen geht es auch so schon prächtig.

US-Aktienkurse auf Rekordniveau, der deutsche Leitindex Dax auf dem höchsten Level seit zwei Jahren, oberhalb von 12.000 Punkten - und das alles nur, weil Donald Trump die US-Wahl gewonnen hat?

Sicher, der aktuelle Aufschwung am Aktienmarkt erhielt Anfang November 2016, als klar war, dass der New Yorker Immobilienmilliardär ins Weiße Haus einziehen würde, enormen Schub. Investoren erkannten plötzlich, welche Chancen sich mit Trumps Versprechungen von niedrigeren Steuern, riesigen Investitionen in die Infrastruktur sowie Deregulierungen vor allem für US-Firmen auftun. Doch die gegenwärtige Börsenhausse allein auf diese Grundlage zu reduzieren - das wäre verfehlt.

Tatsache ist vielmehr: Nicht nur die Aussichten auf eine Verbesserung der Bedingungen für US-Unternehmen beflügeln zurzeit die Aktienkurse. Es ist vielmehr auch die gute Verfassung, in der sich die Wirtschaft sowie die Unternehmen aktuell bereits befinden - und das nicht nur in den USA, sondern beinahe überall auf der Welt. Der britische "Economist" findet den globalen Wirtschaftsaufschwung derzeit so überraschend, dass er ihm die Titelgeschichte seiner jüngsten Ausgabe gewidmet hat ("On the up").

Wie sehr es auch in Deutschland gegenwärtig aufwärts geht, zeigt ein Blick in die Geschäftsberichte, die hiesige Großkonzerne in diesen Tagen veröffentlichen, und zwar mit besonderem Augenmerk auf jener Kennzahl, die seit eh und je am ehesten dazu angetan ist, die Augen der Börsianer zum Leuchten zu bringen: die Gewinnentwicklung.

Wie die Unternehmensberatung EY (ehemals Ernst & Young) festgestellt hat, konnten mehr als zwei Drittel aller 30 Konzerne aus dem Dax Börsen-Chart zeigen ihren Gewinn im vergangenen Jahr steigern. Insgesamt erhöhten die Dax-Firmen ihren Gewinn 2016 auf zusammen 114,2 Milliarden Euro. Das ist ein historischer Rekordwert, die Marke des Vorjahres wurde damit um 25 Prozent übertroffen, jene des bisherigen Bestjahres 2014 um 4,5 Prozent. Ihre Gewinnmarge, so EY, schraubten Deutschlands Topfirmen auf 9 Prozent ebenfalls noch einmal deutlich hoch.

Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und nach der Abgasaffäre auch wieder Volkswagen Börsen-Chart zeigen - die Gewinnmaschinen der deutschen Wirtschaft befinden sich zum Beispiel in deren Vorzeigebranche, dem Automobilbau. Alle drei Hersteller strichen 2016 einmal mehr milliardenschwere Profite ein. Ebenfalls unter den Großverdienern im Dax befinden sich zudem: der Versicherungskonzern Allianz Börsen-Chart zeigen, die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen sowie Siemens Börsen-Chart zeigen, Bayer Börsen-Chart zeigen und BASF Börsen-Chart zeigen. Selbst die krisengeschüttelte Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, die 2015 noch einen Milliardenverlust verzeichnete, ist eine positive Bemerkung wert: Das Minus schrumpfte so stark, dass das Geldhaus das Ranking der Gewinnentwicklung mit einem Plus von fast 90 Prozent anführt.

Allerdings ist der Blick in den Rückspiegel an der Börse nicht wirklich ausschlaggebend. Es interessiert vor allem, wie sich die Gewinne in Zukunft entwickeln werden. Zwar scheinen verschiedene Einflüsse Grund zur Sorge zu geben, von Trumps protektionistischen Drohungen gegen nicht-amerikanische Unternehmen bis hin zum Aufkommen der Anti-Euro-Kräfte in vielen europäischen Ländern.

Seite 1 von 2
Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH