Dienstag, 20. November 2018

Marktturbulenzen verunsichern Investoren Crash-Angst an der Börse - was Anleger jetzt tun sollten

Wertpapierhändler an der Frankfurter Börse: Die Marktturbulenzen werfen bei Profis und Privatinvestoren Fragen auf.

Es war eine Woche der Verluste an der Börse, der langjährige Kursaufschwung scheint zumindest vorläufig vorbei zu sein. Was heißt das für Privatanleger?

Für Investoren, die Geld am deutschen Aktienmarkt angelegt haben, war diese Woche schmerzhaft: Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen verlor binnen fünf Handelstagen etwa 5 Prozent an Wert und müht sich nun damit ab, zumindest die Marke von 11.000 Punkten zu halten. Auf Sicht der vergangenen zwölf Monaten beträgt das Minus sogar schon mehr als 10 Prozent. Die Zeiten der perfekten Börsenwelt, in der eine florierende Konjunktur, viel Geld von der Zentralbank und eine niedrige Inflation den Aktienkurse Flügel verliehen, so scheint es, sind vorläufig vorbei.

Tatsächlich gibt es gleich eine ganze Reihe von Gründen, die dafür sprechen, dass es an der Börse auch in den kommenden Wochen und Monaten bestenfalls seitwärts und schlimmstenfalls weiter abwärts gehen wird. Hier die drei wichtigsten:

1. Die konjunkturelle Abkühlung: Jahrelang florierte in Deutschland und anderswo die Wirtschaft. Inzwischen gibt es jedoch Anzeichen dafür, dass sich dieser Aufschwung abkühlt. Der Internationale Währungsfonds beispielsweise dämpfte kürzlich seine zuvor optimistischen Erwartungen an die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Auch die Wachstumsprognose für Deutschland strich der IWF bei der Gelegenheit zusammen.

Dass diese Abkühlung kein Hirngespinst ist, zeigen viele Konzerne in den USA wie auch in Europa, die in diesen Tagen ihre Quartalsberichte veröffentlichen. Zuletzt enttäuschten die Tech-Riesen Amazon Börsen-Chart zeigen und Alphabet Börsen-Chart zeigen, und lösten erneute Kursverluste aus.

Da die aktuelle Berichtssaison gerade erst begonnen hat, ist vorläufig mit weiterem Störfeuer aus dieser Richtung zu rechnen. Wohl gemerkt: Die Rede ist dabei von einer Verschlechterung der viel zitierten Fundamentaldaten, die nach Ansicht vieler Experten für die langfristige Entwicklung der Aktienkurse eine besonders große Bedeutung haben.

2. Das Chart-Bild verheißt nichts Gutes: Die Experten für die technische Chartanalyse haben im Kursbild des Dax vor Kurzem eine sogenannte Schulter-Kopf-Schulter-Formation, oder kurz SKS, ausgemacht. Dabei handelt es sich um eine Kurslinie, die zunächst ein Hoch erreicht, dann, nach zwischenzeitlichem Abklang, ein neues, noch höheres Hoch, und schließlich, nach einem weiteren Rückgang, nochmals ein drittes, wiederum etwas niedrigeres Hoch, welches ebenfalls nicht gehalten werden kann.

Diese SKS-Formationen, so sagen die Fachleute, zählt zu den verlässlichsten Signalen, die sich überhaupt aus Chart-Bildern herauslesen lassen. Die schlechte Nachricht lautet jedoch: Es ist ein Alarmzeichen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Kursverluste ankündigt. Trat es in der Vergangenheit zu Tage, so kam es nach Angaben der Experten in der Folge in mehr als 80 Prozent der Fälle zu weiteren Kursrückgängen.

3. Die Verunsicherung der Investoren: Das Geschehen an der Börse, so lautet eine Binse, wird zu 50 Prozent durch psychologische Faktoren beeinflusst - mindestens. Leider ist auch dies ein Aspekt, der momentan eher für Verluste als für Gewinne spricht. Angesichts der heftigen Turbulenzen und Verluste der jüngsten Zeit sowie laufend negativer Nachrichten von vom Brexit über Italien, Saudi-Arabien und den Handelskonflikt zwischen USA und China bis hin zur Konjunktureintrübung und den Gewinnwarnungen der Unternehmen dürfte kaum noch ein Anleger zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Vielmehr ist die Verunsicherung am Markt groß, und sie dürfte so schnell nicht wieder verschwinden. Jeder Börsianer weiß, dass nach einem langen Aufschwung irgendwann ein Abschwung folgt. Auf diesen Abschwung warten die Investoren nun, und zwar vermutlich solange, bis er tatsächlich eintritt.

Düstere Aussichten also, wie es scheint. Anleger könnten sich nun fragen, was sie angesichts der offenbar verschlechterten Stimmung am Aktienmarkt nun tun sollen. Papiere verkaufen? Das Depot umstellen, krisenfest machen?

Goldpreis hat merklich angezogen

Verschiedene mögliche Anlagealternativen scheinen sich anzubieten. Gold etwa gilt seit jeher als sicherer Hafen für die Geldanlage. Tatsächlich hat der Goldpreis Börsen-Chart zeigen angesichts der aktuellen Turbulenzen am Aktienmarkt zuletzt merklich angezogen.

Einerseits. Andererseits hat das Edelmetall in der Vergangenheit auch schon häufig enttäuscht, wenn es darum ging, sein Versprechen als Krisenprofiteur zu erfüllen. Seit dem Allzeithoch im Herbst 2011 befindet sich der Goldpreis grob gesagt auf Talfahrt. Zwischenzeitig gab es zwar mehrere Krisen auf der weltpolitischen und wirtschaftlichen Bühne. Das Edelmetall reagierte darauf aber kaum mit der jeweils erhofften oder erwarteten Preissteigerung.

Ebenfalls ins Blickfeld rücken Zinsanlagen wie Tages- oder Festgelder bei Banken oder Sparkassen. Allerdings ist dort angesichts der Niedrigzinsen der Zentralbank schon seit geraumer Zeit nur noch wenig zu holen, und wenn, dann gibt es Zinssätze von mehr als 1 Prozent oft ausschließlich bei ausländischen Banken, bei denen sich der Sparer zunächst ein Bild von der Einlagensicherung und der Bonität des dahinter stehenden Staates machen sollte.

Was also tun? Die simple, aber vermutlich richtige Antwort lautet: am besten gar nichts. Jedenfalls dann nicht, wenn das Anlagedepot von vornherein richtig aufgebaut wurde, also alle wichtigen Aspekte etwa der Risikostreuung oder der Kostenminimierung berücksichtigt wurden. In dem Fall dürfte es ratsam sein, Schwankungen am Aktienmarkt, so heftig und schmerzhaft sie auch erscheinen mögen, einfach auszusitzen und den nächsten Aufschwung abzuwarten.

Hin und her - Taschen leer

Finanzfachleute raten ohnehin prinzipiell zur Zurückhaltung, wenn es darum geht, mit möglichen Umschichtungen auf Marktbewegungen zu reagieren. Denn oft fällt die Entscheidung zu einer solchen Reaktion erst, wenn es bereits zu spät ist. Wer auf diese Weise dauerhaft dem Geschehen an den Anlagemärkten hinterher hechelt, steht am Ende daher nicht selten als Verlierer da: Durch zu spätes Verkaufen werden Verluste realisiert, durch zu spätes wieder Einkaufen mögliche Gewinne verpasst - und unter dem Strich verursachen die häufigen Transaktionen hohe Gebühren, die sich der Broker in die Tasche stecken kann.

Schließlich: Es erscheint zwar gut möglich, dass sich am Aktienmarkt gerade ein längerer Abschwung ankündigt. Sicher ist dies jedoch noch längst nicht. Nicht wenige Investmentexperten äußern gegenwärtig die Erwartung, dass es sich bei dem Auf und Ab zurzeit lediglich um eine vorübergehende Korrektur handelt. Investoren, so heißt es dann, sollten die Kursrückgänge daher nutzen, um grundsätzlich attraktive Aktien günstig ins Depot zu nehmen.

Bei allem Zweckoptimismus, der dabei vermutlich zum Ausdruck kommt: Auch dies ist eine Möglichkeit für Anleger, mit der aktuellen Marktsituation umzugehen.

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