Dienstag, 11. Dezember 2018

Wo Milliardäre Luxus-Lodges und Reservate betreiben Das Afrika der Superreichen

Afrika: Im Zoo der Alphatiere
Jonathan Cosh

Einige der reichsten Männer der Welt haben ihr Herz ausgerechnet an den ärmsten Kontinent verloren. Sie betreiben riesige Reservate und luxuriöse Lodges. Auf Safari in einer anderen Dimension.

Die beiden Männer könnten nicht unterschiedlicher sein: der eine dünn, fast ausgemergelt, sonnenverbranntes Gesicht, ausgeblichene, fleckige Shorts. Der andere: pausbäckig, blass, glatt gescheiteltes Haar, Brille, dunkelblaues Polohemd.

Der eine: Biologe mit Cambridge-Studium. Seit 36 Jahren kämpft er in Namibia darum, die letzten 150 Wüstenlöwen zu schützen. Er schläft oft im Truck, mit dem er den Tieren folgt, betäubt sie, wenn sie Dörfern und Vieh zu nahe kommen, und bringt sie dann weg. Sie nennen ihn den "Löwenmann".

Der andere: Multimilliardär und einer der 50 reichsten Männer der Welt. Er hat einst Microsoft mitgegründet, verwaltet nun sein Vermögen, führt eine Stiftung und sammelt Kunst.

Flip Stander und Paul Allen. Die beiden mögen sich. Schon ein paarmal zog Allen mit Stander in Namibia durch den Busch, ließ sich die Löwen zeigen und das Desert-Lions-Projekt erklären. Er flog mit ihm über die Skeleton Coast, über Walknochen, Schiffswracks, Pelzrobbenkolonien und Dünen, und an den Kunene, der ganzjährig Wasser führt und von Krokodilen wimmelt.

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Zwischen den Touren stand Allen mal allein eine halbe Stunde auf einem Hügel der "Serra Cafema", einer der schönsten und entlegensten Lodges im Norden Namibias, blickte auf ockerrote Berge, einen Myrrhenbaum und blassrosa Weite: Kaokoland. Die Landschaft ist so unberührt und friedlich, dass dem Milliardär ganz warm ums Herz wird: "Man, this land is good for the soul!"

Eine Woche verbrachte Allen in der Lodge am Krokodilfluss, die wirkt wie aus alten Hollywoodtagen: schwere Vorhänge, Kupferwannen, Himmelbetten, auf Stelzen gebaut. "Ruft an, wenn das Camp frei ist", ließ Allen ausrichten. Seitdem kommt er immer wieder.

Einer mehr, der Afrika verfallen ist. Allen spendete nicht nur großzügig für Standers Löwenprojekt, er kaufte sich auch ein ins "Abu Camp" im Okavango-Delta (Botswana), eine 180.000-Hektar-Elefantenschutzzone. Und weil einer wie Allen groß denkt, machte er im Kampf gegen die Wilderer gleich alles ganz anders: Die Elefantenherden werden nun aus der Luft überwacht, in 18 Ländern. Sieben Millionen Dollar hat Allen sich den Great Elephant Census bislang kosten lassen.

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Er entwickelte eine Software, die sämtliche Informationen (Drohne, Ranger, Kamerafalle) auswertet: Big Data gegen Wilderer, ursprünglich entworfen für die New Yorker Polizei. Allens Domain-Awareness-System (DAS) aus Seattle, eine Überwachungskarte in Echtzeit, wird gerade getestet. Die Tierschützer vom WWF geraten bei all der Präzision fast ein wenig ins Schmunzeln: Jedes Tier mit GPS-Sender auszustatten sei doch sehr, sehr aufwendig, mehr Ranger einzustellen hätte es vielleicht auch getan. Aber: Lieber zu viel als zu wenig.

Afrika verändert jeden: An vielen Orten sieht der Kontinent aus wie kurz nach der Schöpfung, an anderen wieder wie kurz vor deren Ende. Im "magischen Königreich" (BBC) fühlt man sich bedroht und frei zugleich. "Das Fett von der Seele wegtrainieren", schrieb Hemingway über seine Zeit dort.

Es sind vor allem die Reichen und Superreichen aus dem Westen, die in Afrika ihre zärtliche Seite entdecken und zu Weltenrettern werden. Viele kommen zur Safari - und kehren zurück als Naturschützer, Mäzen oder Entwicklungshelfer.

Microsoft-LegendeBill Gates etwa investiert in Impfungen und Aids-Projekte und züchtet vor Ort Superbananen mit mehr Vitamin A. Investorenikone Warren Buffett hat der Gates-Stiftung 70 Prozent seines Vermögens übertragen, zuletzt erst wieder 2,4 Milliarden Dollar. US-Hedgefondsmilliardär Paul Tudor Jones betreibt in Tansania und Simbabwe Reservate, Virgin-Gründer und Multiunternehmer Richard Branson in Kenia. Sabine Plattner, die Frau von SAP-Grande Hasso, schützt im Kongo den Regenwald und die Flachlandgorillas. Der britische Softwarepionier Gregory Carr rettet in Mosambik ein ganzes Ökosystem.

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Im Zeitalter von Nachhaltigkeit und Klimawandel steht Artenschutz ganz oben auf der Agenda der 0,1-Prozenter. Dabei geht es ihnen längst um mehr als nur den Kampf gegen die Wilderer. Sie wollen vor allem die Natur und deren Ursprünglichkeit erhalten. Denn der Kontinent sitzt auf Öl, Gas, Uran und Seltenen Erden, Chinas Wirtschaft hat sich viele Minen und Vorkommen bereits gesichert. Überall werden Straßen, Schienen und Dämme gebaut, bis 2050 sollen doppelt so viele Menschen auf dem Kontinent leben wie heute. Wenn Afrika erst einmal erschlossen ist und von der Entwicklungs- zur Schwellenlandregion aufsteigt, wird es für Tiere und Natur eng.

"Land für Reservate zu kaufen kann da einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten", sagt Chris Weaver, WWF-Direktor in Namibia. Die weltgrößte Umweltschutzorganisation ist in allen großen Privatreservaten vertreten.

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