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04.02.2013
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Die neue Ökonomie des Teilens
Deins, meins - egal

Von Maren Hoffmann

Sharing-Portale: Unsere Häuser, unsere Autos, unsere Boote
Fotos
DPA

Nutzen statt besitzen: Das ist beim Carsharing und bei privaten Unterkünften schon ein Erfolgsmodell. Das Konzept des Teilens greift nun auf andere Bereiche über. Es könnte die Gesellschaft tiefgreifend ändern. Unternehmen stellt es vor große Herausforderungen.

Hamburg - Philipp Gloeckler will dieses Jahr nichts kaufen. Es ist ja schon alles da. Es gehört zwar nicht ihm, aber das macht ja nichts.

Der 28-jährige Gloeckler leiht lieber. Mit fünf Leuten arbeitet er an der App Whyown.it. Über das Portal kann man im gesamten digitalen Freundeskreis nach Dingen suchen, die man leihen oder verleihen möchte. "Nur weil uns die großen Konzerne einreden, wir müssten alles selbst haben, stimmt das noch lange nicht," fasst Gloeckler sein ökonomisches Weltbild zusammen, "ich besitze liebend gern nichts, habe aber Zugang zu allem." Demnächst fährt er mit einem von einem Freund geliehenen Snowboard in den Wintersport.

Die "Access society", Zugangsgesellschaft, hat der amerikanische Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin schon im Jahr 2000 propagiert: Der Zugang zu Produkten und Ideen zähle in Zukunft weit mehr als schwerfälliger Besitz. "Collaborative Consumption", gemeinschaftlicher Konsum, nennt es Rachel Botsman, die Vordenkerin der gleichnamigen Bewegung.

Sie sieht in der neuen Vernetzung zwischen Bedürfnissen und deren möglicher Erfüllung immense kulturelle und kommerzielle Sprengkraft: Der Konsument ist nicht mehr passiv, sondern speist aktiv seine Güter in den Kreislauf des Tauschens und Teilens ein - entweder aus Überzeugung oder um mit brachliegendem Besitz Geld zu verdienen oder gleich beides.

Eine "Hardware-Cloud" für alle

Couchsurfer übernachten gratis bei ihresgleichen, Bookcrosser finden "Regalhaltung ist Bücherquälerei" und bringen Gelesenes geldlos in den allgemeinen Umlauf. Aber die Ökonomie des Teilens wird zunehmend ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Der Mitwohnvermittler Airbnb, der Privatquartiere als Alternative zum Hotel anbietet und dafür eine Provision kassiert, hat schon mehr als 10 Millionen Übernachtungen vermittelt. Und Carsharing ist für viele junge Großstädter zur Selbstverständlichkeit geworden.

"Als vor rund zehn Jahren das Internet schneller wurde und Filme und Musik geteilt wurden, haben die meisten Firmen sich dagegen gestemmt und versucht, das zu verhindern. Diesmal haben die Firmen verstanden, dass Leute Produkte leihen wollen, und steigen in die Märkte ein - wie Daimler mit dem Carsharingangebot Car2go", sagt Michael Aechtler, der das Portal Leihdirwas betreibt. Autovermieter Avis erwarb jüngst den amerikanischen Carsharer Zipcar - für mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar.

Wie Gloeckler arbeitet auch Aechtler an einer "Hardware-Cloud" - einem Pool von Kapazitäten und Gegenständen, auf die viele Nutzer gemeinsam Zugriff haben. "Wir wollen das Ebay des Leihens werden", skizziert er selbstbewusst das ferne Unternehmensziel. Während Gloecklers Konzept mehr auf den freundschaftlichen Gratisaustausch abzielt, kann man bei Leihdirwas die eigenen brachliegenden Ressourcen zu barer Münze machen.

Aechtler selbst gelingt das recht gut. Beliebtestes Leihobjekt der Plattform ist sein eigenes Kostüm des Filmschurken Darth Vader aus "Star Wars", das er für 69 Euro pro Woche anbietet. Es ist ein gutes Beispiel für Gegenstände, die man nun wirklich nicht täglich braucht - warum sollen sie, wenn man sie denn schon einmal hat, nicht Geld für ihren Besitzer verdienen? Das teure Kostüm habe sich längst mehrfach amortisiert, behauptet Aechtler.

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