24.01.2013
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Segler Frank Schönfeldt
"Weltmeister sein bringt nichts ein"

Von Torben Schultz

Hobby mit Nachwuchsproblem: Segelboote der Klasse Pirat segeln während der Travemünder Woche 2009 eine Regatta
DPA

Hobby mit Nachwuchsproblem: Segelboote der Klasse Pirat segeln während der Travemünder Woche 2009 eine Regatta

Frank Schönfeldt ist Deutscher Meister und Europameister in der Bootsklasse Pirat. Leben kann er davon nicht. Deshalb fertigt der 57-Jährige "die schnellsten Segel der Welt". Behaupten zumindest seine Kunden. Die erteilen Schönfeldts Firma "Clown Sails" Aufträge auf der "Boot" - und am Tresen.

mm: Herr Schönfeldt, befindet sich der Segelsport im Aufwind?

Schönfeldt: Das Problem ist, dass wir einen Generationswechsel haben. Unsere Mütter und Väter haben das Segeln noch richtig intensiv betrieben. Statt Urlaub sind sie mit dem Boot losgefahren. Aber so'n Boot macht natürlich Arbeit. Und die Jugend, die diese ganzen Boote erbt, die tut sich schwer damit. Das ist nicht so eben wie'n Computer, den man rauf- und runterfährt.

mm: Ihre Firma Clown Sails näht Segel und Segel-Accessoires. Bekommen sie den Generationswechsel auch geschäftlich zu spüren?

Schönfeldt: Wir reparieren mehr und nähen weniger neue Segel. Denn viele der neuen Bootsbesitzer sagen: Große Leidenschaft haben wir eigentlich gar nicht, aber das Boot ist ja da, und wir können es auch nicht verkaufen, denn das würde unsere Eltern ins Grab bringen. Deshalb fangen die Clubs an, wieder auf die Jugend zu setzen.

mm: Sie selbst sind auch in jungen Jahren zum Segeln gekommen.

Schönfeldt: Als Jugendlicher musste ich um acht zu Hause sein oder wenn die Straßenlaternen angingen. Wenn ich aber am Freitagabend sagte, ich gehe zum Segeln, dann kriegte ich 20 Mark und musste erst Sonntagabend wieder da sein. Und beim Segeln gab's alles: was zu trinken, Mädchen - in der Pubertät mit 15, 16, 17 ist das ein Traum.

mm: Ist das denn heute auch noch so?

Schönfeldt: Natürlich. Aber die Wandersegelei, mit der ich groß geworden bin...

mmo: ... Sie sind in Hamburg-Blankenese aufgewachsen ...

Schönfeldt: ... gibt's ja heute weniger. Früher fuhren wir in Blankenese los und kamen da auch wieder an. Heute segeln alle Regatten, und da muss ja einer mit, der einen Führerschein hat. Also ein Elternteil. Und schon ist die Kontrolle da.

mm: Also hat der Segelsport ein Nachwuchsproblem?

Schönfeldt: In den Altersklassen 20 bis 40 klafft eine Riesenlücke. Bis 15 segeln alle. Dann werden die Kinder 17, 18 - aber wegen Abitur und Studium ist das Segeln dann schon bald wieder vorbei. Es gibt ja nur ganz wenige Leute, die vom Segeln wirklich leben können.

mm: Sie sind ja so einer.

Schönfeldt: Ja, aber ich bin Handwerker...

mmo: ... gelernter Segelmacher ...

Schönfeldt: ... das ist mein Beruf, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdiene.

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Zur Person

  • Copyright:
    Frank Schönfeldt ist Europameister und 23-facher Deutscher Meister. Seine Lieblingsbootklasse ist der Pirat, eine fünf Meter lange Jugendjolle. Insofern passt er gut zu Schönfeldt, denn der 57-Jährige "war immer schon der Clown", wie einmal jemand zu ihm sagte. Nach der Ausbildung zum Segelmacher gründete Schönfeldt seine eigene Werkstatt in Hamburg-Sülldorf - passenderweise unter dem Namen "Clown Sails". Nebenbei produziert Schönfeldt noch Kinderlieder, in denen er fordert, Pirat-Segeln möge olympische Disziplin werden.









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