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19.12.2012
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Konsumkrise
Bescherung in Südeuropa fällt aus

Von Martin Hintze

Ländervergleich: Was Europäer zum Weihnachtsfest ausgeben
Fotos
DPA

Die Deutschen eilen zum Last-Minute-Shopping. In den Euro-Krisenländern dagegen steht das Weihnachtsfest unter keinem guten Stern. Drastische Sparprogramme haben den Konsum abgewürgt - mit fatalen Folgen. Wie es in Griechenland, Spanien und Portugal um den Konsum bestellt ist.

Hamburg - Konstantinos Chatzidakis hat keine Angst, Tabus zu brechen. Am zweiten Advent führte der griechische Wirtschaftsminister zwei verkaufsoffene Sonntage ein. Sein Ziel: Er will den Handel ankurbeln. Am Tag vor Heiligabend und am 30. Dezember dürfen seine Landsleute nun einkaufen gehen. Neben Weihnachten wird in Griechenland auch am Neujahrstag traditionell viel verschenkt. Im kommenden Jahr sollen vier Sonntage dazukommen - ein Novum.

Nicht überall kommt dieser Vorstoß gut an. Der Verband der Kleinunternehmer und Händler (GSEVEE) reagiert mit blankem Sarkasmus. "Endlich eine Maßnahme, die den Millionen Arbeitslosen im Land Zeit für eine Shopping-Therapie gibt", zitierte die Tageszeitung "Ekathimerini" einen Verbandsvertreter.

Tatsächlich dürfte sich der Erfolg in Grenzen halten. Für zehntausende griechische Unternehmen könnte dieses Weihnachtsfest das letzte sein. Statt festlicher Beleuchtung bleiben viele Schaufenster in Athens Einkaufsstraßen dunkel. In den vergangenen zweieinhalb Jahren mussten bereits 68.000 Läden schließen, das sind ein Drittel aller griechischen Einzelhändler.

"Es wird ein schwieriger Winter - vielleicht der härteste der letzten drei Jahre", sagt Vassilis Korkidis, Chef des Einzelhandelsverbands ESEE. Für 2012 befürchtet die Lobbygruppe einen Umsatzschwund von noch einmal 53 Prozent.

Konsum: Griechenland minus 18 Prozent, Portugal minus 9 Prozent

Wer hat Schuld an dem Desaster? Für die griechischen Unternehmer ist die Sache klar. Ihr Zorn richtet sich gegen die drastischen Sparmaßnahmen, die auf Druck der internationalen Geldgeber von der Regierung verhängt wurden, um die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Entlassungen im öffentlichen Dienst, Rentenkürzungen sowie Steuererhöhungen für Unternehmen und Haushalte haben dazu geführt, dass die verfügbaren Einkommen stark gesunken sind.

Seit 2007 ist der private Konsum in Griechenland um 18 Prozent eingebrochen. Auch in Portugal (-9 Prozent), Spanien (-7,4 Prozent) und Italien (-4,5 Prozent) haben die Sparpakete deutliche Bremsspuren hinterlassen. "Die Haushalte in den südeuropäischen Ländern stehen durch die grassierende Arbeitslosigkeit und die Steuererhöhungen doppelt unter Druck", sagt Christian Schulz, Analyst bei der Berenberg Bank in London.

Wie sehr die Südeuropäer den Gürtel enger schnallen müssen, zeigt eine großangelegte Vergleichsstudie der Unternehmensberatung Deloitte. Demnach geben die Hellenen noch einmal 16 Prozent weniger für das Weihnachtsfest aus als im vergangenen Jahr. Pro Haushalt verbleibt nach drei sparsamen Jahren ein Budget von 407 Euro. Dazu zählen nicht nur die Kosten für Geschenke, sondern auch für Reisen oder für das Festmahl.

"Die Griechen können sich nur noch das Nötigste leisten", sagt Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die im Auftrag der EU-Kommission das Konsumklima in einigen Ländern Europas ermittelt. In Portugal geben die Menschen im Jahresvergleich 13,5 Prozent weniger aus, in Spanien und Italien knapp 4 Prozent.

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