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19.12.2012
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Energiewende
"Gut gedacht, schlecht gemacht"

Von Dietmar Student

Energiewende: "Die Nachbarn müssen Kraftwerke vom Netz nehmen, um deutschen Strom weiterzuleiten"
DPA

Energiewende: "Die Nachbarn müssen Kraftwerke vom Netz nehmen, um deutschen Strom weiterzuleiten"

Österreichs Stromkonzern "Verbund" sieht die deutsche Energiewende äußerst kritisch. Chef Wolfgang Anzengruber zeigt im mm-Interview die Absurditäten des Jahrhundertprojekts auf und gibt Einblicke in den jüngsten Deal mit Eon.

mm: Herr Anzengruber, die Energiewende stößt in Deutschland auf immer mehr Kritik. Was sagen die Österreicher über das Jahrhundertvorhaben, das deutsche Politiker gern mit der ihnen eigenen Bescheidenheit mit dem Flug zum Mond vergleichen?

Anzengruber: Der Mond ist noch weit weg. Die Energiewende hat zu massiven Verwerfungen auf den europäischen Energiemärkten geführt. Der Hebel ist halt groß: Wenn Deutschland halbe Sachen macht, sind die Folgen viel schwerwiegender, als wenn ein kleines Land wie Österreich das tut.

mm: Was läuft denn schief?

Anzengruber: Es gibt eine Menge installierter Leistung an erneuerbaren Energien. Aber um die auch zum Verbraucher zu bekommen, braucht man drei Mal so große und starke Netze. Die Netzstruktur folgt nicht der Bedarfsstruktur. Wir haben in Deutschland viele Erzeugungseinheiten im Norden, wo es wenige Verbraucher gibt. Und in Süddeutschland, wo viele Kunden wohnen, gibt es zu wenig Erzeugung. Die Folge: Die deutschen Energieprobleme werden exportiert.

mm: Wohin?

Anzengruber: Weil die innerdeutschen Nord-Süd-Trassen fehlen, fließt der Strom über Ostdeutschland nach Polen, Tschechien und über Österreich nach Süddeutschland. Dieser Umweg belastet die Energieversorgungssysteme in Polen und Tschechien enorm, die müssen ihre eigenen Kraftwerke vom Netz nehmen, um deutschen Strom weiterzuleiten.

mm: Wie lange werden sich Deutschlands Nachbarn das gefallen lassen?

Anzengruber: Die Länder denken längst darüber nach, künstlich Engpässe an den Grenzen herzustellen, so dass der Strom von Deutschland nicht hinübergeschickt werden kann. Und sie üben Druck auf Österreich aus, den Strom nicht wieder nach Deutschland zu leiten, so dass dort eine Verknappung herrscht und polnische oder tschechische Kraftwerke einspringen können. Zudem kaufen die Polen bereits so genannte Phasenschieber, damit können sie die Grenze physisch dichtmachen, so als würde man einen Hahn zudrehen. Dann staut sich der Strom in Deutschland.

mm: Mit welchen Folgen?

Anzengruber: Deutschland muss noch mehr Windkraftanlagen abschalten als ohnehin schon. Der Netzbetreiber muss aber den theoretisch erzeugten Windstrom, den er nicht abnehmen kann, trotzdem bezahlen. Er legt das auf den Strompreis um, also zahlen alle. Das ist absurd. Erst fördert man mit öffentlichen Mitteln diese Investition und dann zahlt man noch einmal dafür, dass sie nicht in den Markt kommt.

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    Verbund
    Wolfgang Anzengruber ist Chef des österreichischen Stromkonzerns Verbund.

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