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07.12.2012
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Dax-Geflüster
Die Macht der Gewohnheit kommt Anleger teuer

Von Arne Gottschalck

40 Prozent und mehr: Die acht Kursraketen im Dax
Fotos
dapd

Der Dax hat den höchsten Stand seit fast fünf Jahren erreicht - und dennoch trauen die meisten Anleger in Deutschland Aktien nicht über den Weg. Sie bleiben ihren Lieblingsanlagen mit schwacher Rendite treu. Wie man aus alten, teuren Gewohnheiten herauskommt.

Hamburg - Der kühl rechnende, rational handelnde Investor - ein Phantom? Es scheint so. Emotionen, Irrationalität und eingefahrene Verhaltensmuster (sprich: alte Gewohnheiten) bestimmen das Verhalten von Anlegern stärker, als die Theorie von "rationalen Märkten" lehrt.

Ein Beispiel: Zu Beginn dieser Woche strafte die Ratingagentur Moody's den europäischen Rettungschirm EFSF ab. Die Bonitätsnote wurde von "Aaa" auf "Aa1" herabgesetzt, der Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Fonds ist negativ. Die Anleger störten sich nicht daran, sondern steckten rund 1,5 Milliarden Euro in das Vehikel - obwohl die Rendite ihrer Geldanlage bei minus 0,04 Prozent liegt. Renditeloses Risiko also statt der erhofften risikolosen Rendite. Und dennoch standen Investoren Schlange.

Was also treibt Anleger in solche Anleihen, was hält sie von Aktien zurück? Desinteresse an der Wirklichkeit wohl kaum - eher alte, liebgewonnene Sicherheitsstrategien.

Ein anderes Beispiel. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen hat zuletzt eine rasante Kursrally hingelegt, notiert aktuell über 7500 Zählern und ist in dieser Woche auf ein Fünfjahreshoch gestiegen. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund 24 Prozent zugelegt. Acht Dax-Unternehmen haben seit Jahresbeginn zwischen 40 Prozent und 70 Prozent hinzugewonnen.

Dennoch bleibt die Zahl der Aktienanleger in Deutschland niedrig. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank sind nur knapp 5 Prozent des Geldvermögens privater Haushalte in Aktien angelegt. Allein im September zogen Anleger nach Angaben des Branchenverbandes BVI noch einmal rund 600 Millionen Euro aus Aktienfonds ab.

Während Anleihen und Anlagen auf dem Zinskonto derzeit nicht einmal 2 Prozent Rendite bringen, zeigt der Dax eine Jahresperformance von rund 24 Prozent. Dennoch werden Aktien von vielen Investoren gemieden, weil sie als "unsicher" gelten. Eine rationale Entscheidung?

Der menschliche Makel

Erklären lässt sich das Phänomen nur mit der menschlichen Wahrnehmung. Noch im Spätsommer lag das Niveau der Skepsis gegenüber Aktien laut Sentix bei mehr als 70 Prozent. Nur langsam bröckelt die Front des Misstrauens. "Nichts ist schöner als das Gefühl nachlassenden Schmerzes", sagt Manfred Hübner, Geschäftsführer des Researchhauses Sentix.

Eine ähnlich tief verwurzelte Skepsis gegenüber Aktien dokumentiert auch Blackrock, einer der weltgrößten Vermögensverwalter, für die Privatanleger. Die weltweite Finanzkrise habe sie finanziell wie psychologisch schwer getroffen, belegt eine Umfrage, die das Unternehmen gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt hat. Nur knapp ein Drittel der Deutschen glaube, "der Aktienmarkt biete attraktive Anlagechancen". Stattdessen würden mehr als zwei Drittel auf Barvermögen oder Sparbücher vertrauen - und seit Januar 2012 hätten ein Viertel der Befragten ihre niedrig verzinsten Spareinlagen sogar erhöht.

Börsenpsychologen haben für dieses Verhalten Begriffe gefunden, unter anderem den der Anker-Heuristik, auch "anchoring". Informationen der Vergangenheit verankern sich in der Erinnerung der Investoren und bestimmen, wie er aktuelle Informationen bewertet. Früher waren Staatsanleihen gut und sicher, also gelten sie auch heute noch als gut und sicher. Man könnte den Effekt auch teure Gewohnheit nennen.

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